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Reden wir über Geld:Das Abenteuer Auktion

SZ: Was macht einen erfolgreichen Auktionator aus?

Meyer: Er muss ein Gefühl fürs Timing haben. Ich merke, wenn noch ein Gebot in der Luft ist. Dann knistert es im Saal. Es ist höchste Spannung. Diese Situation muss ich nutzen. Selbstverständlich gehört auch Erfahrung und Menschenkenntnis dazu. Ich denke, es gibt so etwas wie nonverbale Kommunikation. Man spürt, ob jemand noch ein Gebot machen will. Das ist vielleicht so ähnlich als wenn Sie durch die Stadt laufen und plötzlich merken, dass ein Freund oder Bekannter hinter Ihnen ist, obwohl sie ihn noch gar nicht gesehen haben.

SZ: Was waren bislang ihre spannendsten Auktionen?

Meyer: 2004 ging es um Picassos Jungen mit der Pfeife. Der Saal war voll, höchste Anspannung. Da erblasste plötzlich ein Bieter, der mit seinem Auftraggeber per Handy in Kontakt stand. Die Batterien waren offenbar leer. Ich fragte: "Sie brauchen noch etwas Zeit, Sir?" Wir waren bei 82 Millionen Dollar. Da schnappte sich der Bieter das Handy seiner Nachbarin und bot weiter. Am Ende wurde er dennoch überboten - mit 104 Millionen Dollar. Das ist das Abenteuer Auktion.

SZ: Wie wirkt sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Kunstmarkt aus?

Meyer: Das ist durchaus ein reinigendes Gewitter. Angebot und Nachfrage pendeln sich wieder auf einer gesunden Basis ein. Außerdem entdecken viele Leute, die vielleicht vorher in Aktien oder Immobilien investiert haben, die Wertbeständigkeit von Kunst. Sie legen ihr Geld sehr bewusst und zielgerichtet an. Das nützt unserer Branche. Höchste Qualität ist gefragt.

SZ: Welche Leute kommen in die Auktion?

Meyer: Vielleicht hat sich die Klientel etwas geändert. Noch vor wenigen Jahren gab es einen Trend, dass sich Hedgefonds-Manager in London oder in New York hochwertige Kunst anschafften. Fürs Büro oder auch privat. Jetzt treten verstärkt wohlhabende Käufer aus China, Russland, aber auch den arabischen Staaten auf. Ich lerne übrigens auch ein wenig Mandarin, um mich mit unseren chinesischen Klienten zumindest verständigen zu können.

SZ: Halten Sie einen Preis von 200 Millionen Dollar für ein Bild schon bald für möglich?

Meyer: Wenn eine hochbedeutende Ikone des 20. Jahrhunderts auf den Auktionsmarkt kommen würde, halte ich 200 Millionen Dollar in den nächsten fünf Jahren für durchaus möglich. Es muss aber wirklich etwas Einzigartiges sein.

SZ: Sind Sie manchmal neidisch auf die vielen Reichen und Superreichen bei Ihnen im Saal, die sich alles leisten können?

Meyer: Überhaupt nicht. Ich wünsche allen Menschen nur das Beste. Und wenn sie darüber hinaus noch Geld haben, ist es völlig okay. Überhaupt gehen Amerikaner und Engländer viel unkomplizierter mit Reichtum um. Es gibt nicht so viel Missgunst wie beispielsweise in Deutschland.

SZ: Sie pendeln zwischen London und New York. Wo lebt es sich für Sie am besten?

Meyer: Ich bin in beiden Städten sehr gerne. In New York spüren Sie immer noch die Immigrantenmentalität. Da ist eine ungeheure Dynamik. Die Menschen, die hier leben, wollen etwas in Gang setzen. Sie wollen etwas erreichen und erfolgreich sein. London hat dagegen die längere Tradition und Geschichte. Eine Metropole, in der sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Das fehlt leider in Deutschland.