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Reden wir über Geld:"Sie brauchen noch etwas Zeit, Sir?"

Wenn Tobias Meyer den Hammer senkt, dann hagelt es Rekorde. Der Chefauktionator von Sotheby's über Reichtum, Neid, und silberne Löffel.

Wenn Tobias Meyer den Hammer senkt, hagelt es Rekorde. Der Chefauktionator von Sotheby's über Reichtum, Neid, und silberne Löffel Er gilt als "Mr. Cool" oder "Sotheby's 007". Wenn Tobias Meyer den Hammer schwingt, herrscht im Auktionssaal häufig eine knisternde Spannung. Der 47-jährige Auktionator muss in diesen Momenten den Überblick behalten. Er treibt den Preis für berühmte Kunstwerke nach oben. Schon mehrmals hat er für das internationale Auktionshaus Sotheby's Rekordsummen erzielt. Der gebürtige Deutsche macht dies mit einer Abgeklärtheit, die ihn zum Star in der Branche gemacht haben.

Tobias Meyer, Foto: AFP

Sotheby's-Auktionator Tobias Meyer: Bei seiner ersten Versteigerung kaufte er ein Paar silberne Löffel.

(Foto: Foto: AFP)

SZ: Herr Meyer, reden wir über Geld. Was bedeutet Geld für Sie?

Tobias Meyer: Es ist ganz simpel: Geld erweitert meine Möglichkeiten. Sicherlich lässt sich das Leben nicht aufs Materielle reduzieren. Doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit Geld auch meine Wünsche erfüllen kann. Derzeit lasse ich für mich und meine Familie in der Nähe New Yorks ein Haus bauen. Modernes Design. Daran habe ich viel Freude. Außerdem bin ich selbst Kunstsammler und kaufe moderne Kunst.

SZ: Wie sind Sie ins Auktionsgeschäft hinein gekommen?

Meyer: Ich habe schon als Teenager ein Faible für die Kunst entwickelt. Meine Eltern haben mich ins Kölner Wallraf-Richartz-Museum mitgenommen. Dann bin ich als Schüler zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach London gekommen. Ich wollte unbedingt eine Versteigerung besuchen und habe dann sofort mitgeboten. Zunächst hat der Auktionator mir das Mitbieten verboten, weil ich zu jung war. Aber meine Gasteltern haben es dann ausdrücklich erlaubt. So setzte ich mein Taschengeld ein und erstand am Ende ein Paar silberne Löffel. Ich glaube, ich erhielt für 20 Pfund den Zuschlag. Darauf bin ich unheimlich stolz gewesen.

SZ: Jetzt haben Sie auch privat mehr Geld, um es auszugeben.

Meyer: Ich habe vor kurzem eine Zeichnung des amerikanischen Künstlers Matthew Barney gekauft. Zu meinen Neuerwerbungen gehört auch ein Chippendale Bibliotheks-Sessel aus dem 18. Jahrhundert. Das Stück habe ich bei Sotheby's ersteigert.

SZ: Woher haben Sie eigentlich diesen Sammel- und Geschäftssinn?

Meyer: (lacht) Meine Eltern sind daran sicherlich nicht ganz unschuldig. Sie haben mir außerdem einige Grundsätze mit auf den Weg gegeben: Erstens geht es darum, eine gute Ausbildung zu erhalten, zweitens eine Weltsprache - in meinem Fall Englisch - zu sprechen und drittens, möglichst ein Hobby zum Beruf zu machen. Außerdem bin ich in einer sehr atheistischen Familie aufgewachsen. Religion war kein Thema. Das alles macht vielleicht meine sehr rationale Herangehensweise im Berufsleben aus. Übrigens bin ich nicht nur Sammler, sondern auch Jäger. Ein Großteil meines Jobs bei Sotheby's besteht darin, Kunst aufzuspüren und Kontakte zu Sammlern zu pflegen, die etwas in einer Auktion anbieten möchten.

SZ: Wie startete ihre berufliche Karriere?

Meyer: Angefangen habe ich nach dem Studium der Kunstgeschichte in den 80er Jahren in der Wiener Kunsthandlung Czeslaw Bednarczyk. Da ging es natürlich viel um altes Porzellan, Silber und Mobiliar. Dann erhielt ich 1989 ein Angebot von Christie's, als Trainee nach London zu gehen. Es war eine harte, aber lehrreiche Zeit. Jeden Tag Katalogisieren im Archiv. 1992 kam dann das Angebot von Sotheby's. Es war übrigens das erste Mal, dass jemand von der Konkurrenz abgeworben wurde. Das ist in der Branche bis dahin nicht üblich gewesen, zum Erzrivalen zu wechseln.

SZ: Sie gelten mittlerweile wegen ihrer Abgeklärtheit als "Mr. Sotheby's 007".

Meyer: Das ist meine professionelle Herangehensweise. Meine Aufgabe ist es, die Dinge teuer zu machen. Das klingt profan, trifft aber den Kern der Sache. Natürlich geht es in einer Auktion auch um mehr: Ich stehe nicht nur da oben und schwinge den Hammer. Ich bin für unsere Kunden auch ein Berater in Sachen Kunst. Es geht um meine Expertise. Insofern gehört es auch zu meinem Job, ein Komplize des Verkäufers zu sein.