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Reden wir über Geld: Sascha Suden:"Die Leichenfledderer waren bei mir"

Sascha Suden belieferte Angela Merkel und den Sultan von Brunei mit Blumen. Anfangs lief das Geschäft gut. Am Ende blieben ihm nichts als Schulden und Hartz IV. Ein Gespräch über Promikunden, Lügen - und seinen größten Fehler.

Sascha Suden, 45, ist tief gefallen. Einst Klatschkolumnist des Kölner Express und Unterhaltungschef der Berliner BZ gründete er mit einem Designer und Orchideenzüchter ein Einzelhandelsgeschäft für Blumen, Möbel und Accessoires in Berlin. Es ging schnell aufwärts, Prominente wie Sharon Stone, Jil Sander oder der Sultan von Brunei bekamen von dem Duo Blumenarrangements. Das Geschäft blühte. Aber am Ende blieben Suden nichts als Schulden. Nach der Schließung des Ladens hat er ein Jahr von Hartz IV gelebt. Nun hat Suden ein Buch ("Hilfe, ich habe gegründet") geschrieben, in dem er erstaunlich offen mit seinen Fehlern als Unternehmer abrechnet. Suden empfängt im Berliner Exklusiv-Club Soho House. Den Mitgliedsbeitrag von 900 Euro jährlich zahlt derzeit eine Gönnerin.

Sascha Suden

Sascha Suden musste sein Geschäft schließen und ist mit Schulden überhäuft. Seine unternehmerischen Fehler beschreibt er in einem Buch.

(Foto: Xpress/Rolf Walter)

SZ: Herr Suden, reden wir über Geld. Sie waren als Berliner Promi-Florist ganz oben, um dann tief abzustürzen. Wie geht's Ihnen so?

Suden: Ich fühle mich befreit, kann wieder nach vorne sehen. Die Zeit des Leidens ist nach der Schließung unseres Geschäfts an der Pariser Straße vorbei. Wenn ich aufwache, warten auf mich keine Anrufe von Gläubigern, Banken oder Gerichtsvollziehern mehr und auch keine unheilverkündenden Mahnbriefe.

SZ: Es geht Ihnen besser trotz ihrer Schulden in Höhe von 100.000 Euro?

Suden: Ja, weil ich wieder nach vorne schauen kann. In der Krise unseres Unternehmens konnte ich nächtelang nicht schlafen. Ich dachte darüber nach, woher ich Geld besorgen könnte. Ich hatte ständig Kopfschmerzen, knirschte mit den Zähnen, bekam Haarausfall. Und das Schlimmste ist, dass sie sich all diesen Stress nicht anmerken lassen dürfen. Sie müssen immer funktionieren.

SZ: Wieso?

Suden: Egal wo Sie auftreten, Sie müssen so tun, als ob ihr Unternehmen floriert, genug Aufträge da sind, es ihnen gut geht. Ich kann nicht neben Kunden depressiv herumstehen und ihnen ihren Event-Einkauf vermiesen.

SZ: War es nicht von Anfang an eine ziemlich bekloppte Idee, einen neuen Blumenladen in Berlin eröffnen zu wollen - zusätzlich zu den schon vorhandenen 2000 in der Hauptstadt?

Suden: Nein, wir haben ja ein Gesamtkonzept kreiert. Wir boten eine Rundum-Betreuung an in einem Lifestyle-Store für die Sinne. Und so schlecht kann die Idee nicht gewesen sein. Innerhalb von sechs Wochen bekamen wir von einer Berliner Bank 75.000 Euro Kredit. Und unsere Produkte waren zumindest in der Berliner Society berühmt. Wir galten bis zum Schluss als erfolgreich.

SZ: Sie waren es aber nicht, jedenfalls finanziell. Was lief schief?

Suden: Es lag an vielen kleinen und großen Fehler im Alltag und begann mit zwei gravierenden Versäumnissen: Der Businessplan reichte nur bis zum Tag der Geschäftseröffnung im September 2003. Von da an war unklar, wovon ich und mein Kompagnon unseren Lebensunterhalt bestreiten sollten. Darauf hatte uns auch die Bank nicht hingewiesen. Daraus habe ich gelernt, dass jeder Existenzgründer sich mindestens ein halbes Jahr finanzieren können muss, ohne Geld aus dem Geschäft entnehmen zu müssen. Im Endeffekt haben wir fünf Jahre meist sieben Tage die Woche gearbeitet und zahlten uns null bis 1250 Euro pro Monat aus.

SZ: Was war der zweite große Fehler?

Suden: Für unseren Blumeneinkauf im Großmarkt brauchten wir 3000 Euro pro Woche in bar. Das habe ich mir nicht wirklich bewusst gemacht. Oft bin ich am Ende des Monats von Geldautomat zu Geldautomat gefahren, um genug Cash für die Blumenkäufe zu haben.

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