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Reden wir über Geld:"Reichtum kann sehr einsam machen"

SZ: Wie sind Sie dann Butler geworden? Warum sind Sie gerade nach London gekommen?

Hirsch: Ich habe eine Ausbildung im Hotelfach. Später habe ich in großen Hotels in Berlin und Zürich gearbeitet, unter anderem als Barkeeper. In Zürich habe ich im Hotel Baur au Lac einen Butler kennengelernt, der für einen bekannten Popstar gearbeitet hat. Das hat mich interessiert. So bin ich in die Branche hereingekommen. Ich habe dann auf Yachten und Kreuzfahrtschiffen als Butler gearbeitet, später habe ich mich mit meinem Butler-Service um den Vorstand einer Investmentfirma in London gekümmert. London ist ein Eldorado für Butler, schon wegen der englischen Tradition. Es war immer mein Traum, hier zu arbeiten.

SZ: Was macht einen guten Butler aus?

Hirsch: Ein Butler ist in der britischen Tradition ein Haushofmeister oder ranghöchster Diener. Ihn muss Diskretion, Loyalität und Diplomatie auszeichnen. Häufig bin ich auch Seelentröster für einen Menschen. Aber eines ist ganz klar: Besonders aus Ehestreitigkeiten halte ich mich heraus. Da muss man strikte Neutralität wahren. Ich könnte einiges erzählen. Aber da bin ich verschwiegen.

SZ: Bilden Sie sich weiter?

Hirsch: Ja, klar. Ich lese viel über Luxusmarken. Ich schaue mir edle Autos an und informiere mich über die neuesten Modetrends. Das ist sehr wichtig, weil ich auch so eine Art Lifestyle-Berater bin. Man muss schon mit Leidenschaft dabei sein. Ansonsten hat es keinen Sinn.

SZ: Butler wirken in vielen Filmen ziemlich einfältig, manchmal auch lächerlich wie im berühmten Sketch "Dinner for One" mit dem tollpatschigen Butler James. Ärgert Sie das?

Hirsch: Überhaupt nicht. Das nehme ich mit Humor. Allerdings wird in der Öffentlichkeit immer noch ein veraltetes Image transportiert. Ein moderner Butler serviert nicht nur in weißen Handschuhen den Fünf-Uhr-Tee. Er ist auch so etwas wie ein persönlicher Assistent. Ich höre zum Beispiel aus der Branche, dass Butler zu Kunstauktionen geschickt werden, um da für ihren Auftraggeber mitzusteigern. Butler übernehmen Chauffeurdienste. Und natürlich ist man auch da, um dem Boss mal einen diskreten Ratschlag zu geben. Wer die Toilette in Großbritannien sucht, fragt zum Beispiel nicht nach der "toilet", sondern nach dem "lavatory" oder nach dem "gentlemen's room".

SZ: Und Sie führen Ihre Klientel in die High Society ein?

Hirsch: Ja, das mache ich gerne. Ich habe zum Beispiel einer reichen tschechischen Unternehmerin geholfen, dass sie Leute aus der feinen Gesellschaft beim berühmten Pferderennen von Ascot kennenlernt. Für sie habe ich dann auch Kontakte zu einer sehr prominenten englischen Herzogin geknüpft.

SZ: Welche großen materiellen Wünsche haben sehr reiche Menschen noch?

Hirsch: Eine Villa, eine Yacht, ein Luxusauto, sogar ein Privatjet gehören eigentlich schon zum Standard. Sich einen Butler leisten zu können, ist daher für viele das Nonplusultra. Insofern dienen Butler mit ihrem professionellen Service auch als Statussymbol. Es zeigt: Aha, der oder die kann sich sogar einen Butler leisten.

SZ: Woher kommt Ihre Klientel?

Hirsch: Zu meinen Kunden zählen adelige und industrielle Personen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Vorstandsmitglieder, Unternehmer und Top-Manager aus der ganzen Welt.

SZ: Sind Sie eigentlich unterwürfig?

Hirsch: Nein. Es ist sicherlich ein schmaler Grat zwischen Service-Einstellung und Unterwürfigkeit. Letzteres passt nicht zu mir. Irgendwann hat eine reiche Damenrunde mal angefragt, ob ich als "nackter Diener" arbeiten will. Das habe ich natürlich abgelehnt.