Reden wir über Geld: Peter Krämer "Meine Banken wissen alles von mir"

SZ: Wer denn?

Krämer: Da brauchen Sie nur die Treppe in der Hamburger Oper hochzugehen. Es gibt Leute, die sagen, wenn ich schon eine Stiftung mache, dann für mein Hobby oder meine Leidenschaft, und mein Name soll dick darüberstehen.

SZ: Bei Ihnen ist das anders? Sie zeigen sich gern auf Fotos mit süßen, schwarzen Kindern, für die Sie mit dem Kinderhilfswerk Unicef Schulen bauen lassen. Ist das nicht dasselbe?

Krämer: Überhaupt nicht. Mit den Bildern transportiere ich eine Botschaft und motiviere andere zu spenden. Weil das so gut klappt, sind die Millionen, die ich selbst für Schulen für Afrika ausgegeben habe, inzwischen nur ein kleiner Teil dessen, was gesammelt wurde. Ich komme mir vor wie der Vater eines Kindes, das größer geworden ist. Schulen für Afrika wird bleiben, auch wenn mir morgen ein Stein auf den Kopf fällt.

SZ: Warum helfen Sie eigentlich nicht armen Kindern in Hamburg?

Krämer: Weil wir in Deutschland und damit in Hamburg nur eine relative Armut haben. Bei uns muss kein Kind sterben, weil es am falschen Platz geboren ist. Ich bedaure es sehr, dass in Hamburg 23 Prozent der Kinder von Hartz IV leben. Aber wir könnten hierzulande die Steuern so erheben, dass wir unsere relativen Armutsprobleme gut in den Griff bekommen. Solange wir aber ein Steuerparadies für Vermögende haben und nicht mehr für die Bildung tun, wird das nicht gehen.

SZ: Und für diese Botschaft nehmen Sie auch in Kauf, dass andere Sie für extrem eitel halten?

Krämer: Wenn ich meine, etwas zu sagen zu haben, und überzeugt bin, dass das einen Wert für andere hat, muss ich das laut tun. Das hat mit Eitelkeit nichts zu tun. Ich will etwas bewegen.

SZ: Verschwiegener sind Sie jedenfalls, wenn es um Ihr eigenes Geschäft geht. Warum legen Sie nicht offen, wie viel Sie als Reeder verdienen?

Krämer: Meine Firma ist ein Familienunternehmen, und deshalb bin ich anders als eine börsennotierte Aktiengesellschaft nicht verpflichtet, Zahlen offenzulegen. Meine Banken wissen ohnehin alles von mir. Aber meinen Nachbarn geht es absolut nichts an, wie hoch mein Privatvermögen ist. Ich habe auch keine Lust mehr darauf, noch mal überfallen zu werden, wie vor sieben Jahren, als sechs Gangster direkt vor meiner Haustür über mich herfielen und mich ausraubten.

SZ: Vielen Reedern geht es geschäftlich nicht mehr so gut. Manche rufen deshalb sogar nach Staatshilfe. Tun Sie das auch?

Krämer: Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, unsere Finanzprobleme müssen wir mit den Banken allein lösen. Es wurden in den letzten Jahren viel zu viele Schiffe bestellt, speziell von deutschen Reedern. Banken haben da oft verantwortungslos neue Frachter fremdfinanziert, ohne dass Eigenkapital hinterlegt war. Jetzt ist es an der Zeit, dass Banken eine Bestandsaufnahme machen und entscheiden, wem sie helfen. Dabei hat der Staat nichts zu suchen.

SZ: Ihre Reederei hat Frachter bei chinesischen Werften bestellt. Warum ordern Sie keine Schiffe bei deutschen Werften und sichern Jobs im Land?

Krämer: Die sind 20 bis 40 Prozent teurer als die Chinesen und Koreaner. Man muss entweder Geld wegschmeißen oder extrem edel sein oder sehr reich, um so den Standort zu fördern.

SZ: Für solche Wohltaten reicht Ihr Vermögen also nicht? Immerhin soll es sich laut Manager Magazin auf 600 Millionen Euro belaufen. Damit gehören Sie zu den 200 reichsten Menschen in der Bundesrepublik.

Krämer: Das stimmt nicht, manche Magazine sind zu dumm zum Rechnen. Die haben die Werte der Schiffe anderer, die ich nur einsetze, und derjenigen, die mir gehören, einfach addiert, unabhängig von den Hypotheken und den Anteilen, die ich an den Schiffen halte. Deswegen ist das viel zu hoch. Außerdem habe ich drei Viertel meines Vermögens in der Krise verloren.

SZ: Haben Sie Angst um Ihr Geld?

Krämer: Ich habe Angst vor einem Währungsschnitt, wenn die Staatsschulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt einmal nicht mehr zurückgeführt werden können. Dann könnten sich eines schönen Wochenendes die Finanzminister von Europa, den USA und Japan sehr diskret treffen und entscheiden: Wir müssen den Euro, den Dollar und den Yen halbieren.

SZ: Was wäre dann?

Krämer: Die Verteilungsfrage würde viel stärker als jetzt in den Vordergrund treten, weil die Armen noch ärmer werden würden. Was glauben Sie, was dann hier losgeht! Dagegen sind gewalttätige Demonstrationen wie in Frankreich oder in Griechenland nichts.

SZ: Sie meinen, die Reichen in Deutschland müssten Angst haben, dass ihre Villen gestürmt werden?

Krämer: Ich war häufiger in Südafrika, und dort verbarrikadieren sich die Wohlhabenden. Die Mauern werden immer höher, durch die Stacheldrähte auf den Mauern in Johannesburg fließen Tausende Volt. Es macht nicht so arg viel Spaß, dort spazieren zu gehen. Solche Verhältnisse möchte ich in Deutschland nicht erleben.