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Reden wir über Geld: Paul Nolte:Gutscheine für den Musikunterricht

SZ: Und wie soll das funktionieren?

Nolte: Ich fände es toll, wenn Eltern zum Beispiel einen kostenlosen Gutschein für den Musikunterricht ihrer Kinder bekämen.

SZ: Haben Sie Kontakt zu Menschen, die Sie als Unterschicht bezeichnen?

Nolte: Ich habe keine Freunde in der Unterschicht. Aber ich gehöre zu denen, die mit der U-Bahn durch Berlin fahren. Das ist eine authentische Kontaktzone (denkt nach). Aber schreiben Sie das ja nicht, sonst heißt es: Der feine Herr Nolte rühmt sich, dass er U-Bahn fährt.

SZ: Als Professor verdienen Sie ungefähr 75.000 Euro im Jahr. Zu welcher Schicht gehören Sie denn damit?

Nolte: Mit meinem Einkommen gehöre ich zur gehobenen Mittelschicht, vielleicht auch zur Oberschicht. Aber nicht im Sinne von Ackermann. Früher hätte man gesagt: Ich bin Bildungsbürger. Im Vergleich zu früher ist das Gehalt nicht besonders hoch. Früher verdienten Professoren noch das Zehnfache eines Arbeiters, heute verdiene ich das Doppelte. Rechnet man es auf die Arbeitsstunden um, ist es etwa so viel wie bei einem BMW-Facharbeiter.

SZ: Sie Armer. Wie groß darf der Anteil der Unterschicht in einer Gesellschaft sein, damit keine soziale Unruhe ausbricht?

Nolte: Zurzeit liegt der Anteil zwischen zehn und 15 Prozent. Das ist noch zu verkraften. Wir haben aber starke regionale Unterschiede: Im Süden gibt es Landkreise mit Vollbeschäftigung, in Berlin hingegen leben 37 Prozent aller Kinder von Hartz IV.

SZ: Ist das noch verkraftbar?

Nolte: Nein. Wir haben zwar in Berlin eine sozial ruhige Situation. Noch können wir es uns leisten, die Unterschicht zu versorgen. Jeder Hartz-IV-Empfänger bekommt monatlich sein Geld und die Miete gezahlt. Das ist noch finanzierbar, aber sozial und kulturell ist die Grenze in Berlin schon überschritten. Die Unterschicht kapselt sich in Parallelgesellschaften ab, in vielen Familien geht der Bezug zum Arbeitsleben verloren.