Reden wir über Geld: Michael Lang "Das größte friedliche Ereignis des Jahrhunderts"

SZ: Lassen Sie uns nochmals 41 Jahre zurückgehen. Wann haben Sie realisiert, dass Sie Geschichte schreiben würden?

Lang: Gute Frage. Wir steckten ja mittendrin und hatten keine Zeit zum Nachdenken. Ich denke, im Laufe des Samstags, als wir all die Menschen da draußen gesehen haben, da wurde es uns klar.

SZ: Dabei war Woodstock rein musikalisch ja kein sehr gutes Festival. Carlos Santana war bei anderen Gelegenheiten besser, Crosby Stills Nash & Young ebenfalls. Jimi Hendrix war auf Drogen.

Lang: Er war müde.

SZ: Auf jeden Fall musikalisch nicht herausragend.

Lang: Da muss ich energisch widersprechen. Vor Woodstock hat eben noch fast niemand von Santana gehört, außer den Besuchern von ein paar Clubs in San Francisco. Für Crosby Stills Nash & Young war es das erste große Ereignis überhaupt. Und so können Sie weitermachen. Wir haben lauter Talente eingeführt, die für Jahre im Zentrum des Musiklebens standen. Es waren vielleicht nicht ihre besten Shows, aber es waren ihre ersten. Davon abgesehen war es das größte friedliche Ereignis des Jahrhunderts. Denken Sie dran, dass die Mitte der sechziger Jahre keine sehr gute Zeit war. Es gab Gewalt, die Morde an Robert Kennedy und Martin Luther King ...

SZ: ... und den Vietnam-Krieg ...

Lang: ... ja, und den ganzen Konflikt zwischen den Generationen - es gab nicht viele schöne Momente, auf die man blicken konnte. Und in der Mitte von all dem schien plötzlich Hoffnung auf. Weil wir jung waren, weil es aus unserer Generation heraus kam, wurde es zu einem Symbol für die Kraft eines positiven Gemeinschaftsgefühls.

SZ: Und Max Yasgur, der Farmer, auf dessen Wiese das Festival stattfand? Seine Farm wurde ja fast ruiniert.

Lang: Er wurde nicht ruiniert. Er war ergriffen.

SZ: Ergriffen?

Lang: Ja. Das Ereignis hat ihn verändert. Er hat später Jugendlichen geholfen, die von zu Hause ausgerissen waren. Im Zuge der ganzen Vorbereitungen hatte er seine ganzen Nachbarn gegen sich aufgebracht. Er war immerhin der größte Milchfarmer im weiten Umkreis. Und er stand zu dem Projekt, die ganze Zeit.

SZ: Er war ziemlich konservativ.

Lang: Yasgur war ein rechter Republikaner, der den Vietnam-Krieg unterstützte. Aber er war auch ein sehr aufrechter Mann, der wollte, dass andere ihre Meinung sagen konnten.

SZ: Aber er verließ seine Farm kurz nach dem Festival.

Lang: Ja, er hatte Herzprobleme und zog in den Süden. Mit seinem Sohn stehe ich heute noch in Kontakt.

SZ: Ein konservativer Autor, David Bossie, sagt, Woodstock sei für die Exzesse an der Wall Street und die Finanzkrise verantwortlich. Er spricht vom "Narzissmus einer Generation".

Lang: Im Ernst?