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Reden wir über Geld: Michael Lang:"The Road to Woodstock"

SZ: Aber auch heute noch ist "Woodstock" eine tolle Marke. Ihre Firma "Woodstock Ventures" nutzt das. Damit müssten Sie doch Geld machen können.

Michael Lang, Organisator des legendären Woodstock-Festivals.

Michael Lang, Organisator des legendären Woodstock-Festivals.

Lang: Theoretisch schon.

SZ: Und praktisch? Sie sind noch immer im Musikgeschäft.

Lang: Ja, wir arbeiten gerade an einem Musical. Es basiert auf meinem Buch "The Road to Woodstock" und wird hoffentlich in zwei Jahren auf die Bühne kommen. Wir organisieren Festivals und produzieren Filme. Für mich ist es eine ständige Suche nach interessanten Dingen, mit denen man den Menschen ein gutes Gefühl vermitteln kann.

SZ: Warum gab es 2009 kein Gedenkkonzert zum 40. Jahrestag?

Lang: Ich habe es versucht. Das Festival sollte mit dem Thema Klimaschutz verbunden werden und im Prospect Park stattfinden, einem wunderbaren Park in Brooklyn.

SZ: Sie selbst sind in Brooklyn geboren.

Lang: Ja, in Bensonhurst, um genau zu sein. Wir haben eine Genehmigung für 300.000 Besucher gekriegt, es sollte umsonst werden und klimaneutral. Unglücklicherweise brach in diesem Jahr die Wirtschaft zusammen. Unsere Sponsoren hatten kein Geld mehr.

SZ: Zum 20. Jubiläum 1989 wollten Sie ein Festival gleichzeitig in West- und Ostberlin organisieren.

Lang: Ja, ich arbeitete seit 1987 mit meinem Freund Peter Rieger und einer Konzertagentur in Ostberlin daran. Die Idee war, dass Woodstock eine Brücke zwischen Ost und West hätte bauen sollen. Und es schien, als hätte den Leuten in Ostberlin das gefallen.

SZ: Mit wem hatten Sie dort zu tun?

Lang: Es war der Leiter der dortigen Konzertagentur, Heinrich Heinemann. Alle nannten ihn Heini. Ich kann mich noch an sein Büro erinnern. Irgendwie war es kafkaesk. Ich dachte immer: Gleich kommt eine Hand von oben und packt ihn, weil er solche Dinge macht. Er war total begeistert. Ich bin zwanzig Mal nach Berlin gereist, sie brachten mich schließlich mit der Jugendorganisation dort zusammen, ich glaube, sie hieß Komsomol.

SZ: Das war die in der Sowjetunion, in der DDR hieß sie Freie Deutsche Jugend.

Lang: Die unterstützten das Projekt. 1988 schafften wir es, Joe Cocker nach Ostberlin zu bringen.

SZ: Und woran ist das Jubiläums-Festival dann gescheitert?

Lang: Es wurde in Moskau gestoppt.

SZ: Woher wissen Sie das?

Lang: Die FDJ-Leute haben es uns gesagt. Aber dann war ja sowieso alles ganz anders. Joe Cocker spielte nach dem Fall der Mauer in Berlin.