Reden wir über Geld: Klaus Schlappner "Einige Spieler kamen mit dem Pferd zum Training"

Klaus Schlappner verteidigt sein Engagement in China und Nordkorea: "Der Sport ist eine Sache, die die Menschen viel schneller eint als andere Felder."

(Foto: Foto: Bongarts/Getty Images)

Schlappner: Ich habe erlebt, wie mein Vater aus Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Er war auf 40 Kilo abgemagert und zu mitgenommen für seinen früheren Job als Müller. Ich hatte das Gefühl, er müsse wie ein Bittsteller auftreten, wenn er Arbeit wollte. Diese Abhängigkeit sollte mir auf keinen Fall passieren.

SZ: Es heißt, dass Sie Ihre Spieler gerne kontrollieren, auch außerhalb des Fußballplatzes. Klingt sehr altmodisch.

Schlappner: Ich bilde meist junge Leute im Fußball aus, die gut spielen, aber vom Leben noch wenig Ahnung haben. Da ist es doch meine Verantwortung, mich um sie zu kümmern.

SZ: Geben Sie uns ein Beispiel.

Schlappner: Jürgen Kohler, einst bei Waldhof Mannheim, später Borussia Dortmund, Weltmeister 1990. Der kam als 17-Jähriger zu mir, wollte sich von seinem ersten Geld einen BMW kaufen. Da hab ich gesagt: Du fährst zu der Garage, da steht ein gebrauchter Ford, den nimmst du. Alles kommt nach und nach.

SZ: Klare Worte.

Schlappner: Ein anderer hatte ein notorisch überzogenes Konto. Ich sagte: Heute Nachmittag um drei liegen die Bankauszüge da. Es stellte sich heraus, dass mehrere Personen in seinem Umfeld Zugriff hatten und einfach abgehoben haben. Ich hab mit seinem Einverständnis das Konto für Dritte sperren lassen. Ich wusste alles, da konnte ich helfen.

SZ: Sie sagen, Sie legen sehr viel Wert auf Vertrauensbildung jenseits des Platzes. Ex-Bayern-Profi Sebastian Deisler beendete wegen Depressionen seine Karriere. Nationaltorhüter Robert Enke nahm sich im November aus demselben Grund das Leben. Kann ein Trainer so eine Entwicklung erkennen?

Schlappner: Es gibt drei Dinge, die die Leistung eines Spielers negativ beeinflussen: Geldprobleme, Eheprobleme oder eine Verletzung, die er verschweigt. Als langjähriger Trainer erstellt man ein Soziogramm des Spielers und der Mannschaft, dann bemerkt man Unterschiede im Verhalten. Wenn einer wenig über Freunde erzählt, nicht lacht und sehr verschlossen ist, dann muss man sich unbedingt die Mühe machen, herauszufinden, woran es liegt. Häufig kommen junge Spieler nicht damit klar, dass sie zu viel Geld verdienen. Man muss Spieler ansprechen oder mal in den Arm nehmen.

SZ: Bei Robert Enke waren die meisten Verantwortlichen überrascht.

Schlappner: Ich kannte Robert Enke seit er 15 Jahre alt war, von meiner Zeit als Trainer bei Carl Zeiss Jena. Er wurde früh hochgepuscht, ins Ausland transferiert und dann plötzlich in seiner Mannschaft nicht mehr aufgestellt. Er hat geheiratet, dann seine Tochter verloren. Der Mann ist sicher immer fachspezifisch auf dem Fußballplatz begleitet worden, aber offensichtlich nicht als Mensch. Sein Umfeld hat versagt!

SZ: Sie haben als Trainer mit Mannschaften aus China, Iran und gerade vor Weihnachten Nordkorea gearbeitet. Sammeln Sie Diktaturen? Hatten Sie nie ein schlechtes Gefühl dabei?

Schlappner: Ich mag doch keine Diktaturen. Der Sport ist eine Sache, die die Menschen viel schneller eint als andere Felder. Das ist eine Chance, die der Westen nutzen muss.

SZ: Sie zogen Kritik auf sich, weil sie in den Sechziger Jahren für die NPD kandidierten.

Schlappner: Das war mein Protest dagegen, wie die 68er die Republik in ihren Grundfesten verändern wollten. Meine Kandidatur war eine kurze Episode.

SZ: Ein dummer Fehler bleibt es.

Schlappner: Ich bin nach einem Jahr wieder ausgetreten. Ich hab keine Sympathien für Rechtsradikale.

SZ: Sie waren auch in der Mongolei. Was ist zu sagen über den Fußball dort?

Schlappner: Es gibt eine Liga, acht Mannschaften, keine Profis. Einige Spieler kamen mit dem Pferd zum Training.