Reden wir über Geld "Für meine Kinder bin ich etwas vercheckt"

SZ: Was soll der Staat gegen die Ungleichheit tun, die Sie beklagen?

Möller: Zum Beispiel sind die Steuern in den vergangenen Jahrzehnten vor allem für Spitzenverdiener gesenkt worden, weniger für Geringverdiener.

SZ: Mit so einem Vorschlag werden Sie nicht nächster FDP-Vorsitzender.

Möller: Warten Sie mal ab, was sich bei der FDP noch ändert (lacht).

SZ: Was verdient Deutschlands erster Arbeitsmarktforscher?

Möller: Zu wenig.

SZ: Das sagen alle.

Möller: Ich verdiene etwas mehr als ein Uni-Professor.

SZ: Also etwas mehr als 5000 Euro.

Möller: Aber das ist ein Knochenjob, Wissenschaft plus Beratung der Politik.

SZ: Ruft da schon mal jemand aus von der Leyens Ministerium an und sagt: Jetzt ist aber genug mit den Plädoyers für Mindestlöhne?

Möller: Wir sind unabhängig. Aber natürlich wird schon Kritik geübt: Arbeitgebern passt meine Position zu Mindestlöhnen oder der Spaltung des Arbeitsmarkts nicht so, Gewerkschaftern stößt auf, dass ich die Verlängerung des Arbeitslosengeldes "süßes Gift" nannte.

SZ: Wer meckert öfter?

Möller: Ach, das hält sich die Waage.

SZ: Sie waren nicht der erste Kandidat für Ihren Job, zuvor sagte jemand aus familiären Gründen ab. Schmerzt das?

Möller: Also, ich hatte mich zuerst gar nicht beworben. Auf meinem Regensburger Lehrstuhl war ich zufrieden. Ich wurde angesprochen, als der andere Bewerber absagte.

SZ: Wie gut sind Sie als Ökonom bei Ihren Finanzen?

Möller: Oh, bei den Ökonomen gibt's die wildesten Geschichten. Manche waren erfolgreiche Zocker, wie Keynes oder David Ricardo, der auf den Sieg der Briten gegen Napoleon bei Waterloo wettete und einer der reichsten Männer Englands wurde. Joseph Schumpeter dagegen ging mit einer Bank in Konkurs und musste sein Leben lang dafür zahlen.

SZ: Im Schnitt können Ökonomen nicht besser mit Geld umgehen als Menschen, die Ökotrophologie studieren?

Möller: Nein.

SZ: Peinlich. Und Joachim Möller?

Möller: Manchmal kommt Pech dazu. Ich habe unser Haus in Regensburg Mitte der Neunziger gekauft, als die Preise auf einem historischen Hoch waren. Danach verlor das Haus zehn Prozent an Wert.

SZ: Sie hätten wissen können, das der Markt nach dem Wende-Boom abkühlt.

Möller: Nein. Regensburg war 500 Jahre arm und nahm plötzlich in den Neunzigern einen Aufschwung. Ich dachte nicht, dass die Preise so schnell fallen.

SZ: Und Ihr Aktienpaket?

Möller: Da hatte ich die üblichen Erfolge, und machte die üblichen Fehler.

SZ: Internet-Blase, Telekom-Aktien.

Möller: Genau. Für meine Kinder bin ich bei Finanzen "etwas vercheckt", wie sie das nennen.