Reden wir über Geld: Helme Heine "Die 'Freunde' sind unsere Rente"

SZ: Wie wichtig war Geld in Afrika?

Heine: Es wird nirgendwo so viel gelacht, getanzt und gefeiert wie dort. Sie sehen selten ein Kind weinen. Und Sie sehen nirgends so viele griesgrämige, sich sorgende Menschen wie in Europa.

SZ: Warum sind Sie weg aus Afrika?

Heine: Die Listen der gefallenen Kindersoldaten wurde immer länger, Nelson Mandela war noch nicht befreit. Wir hatten zwei Kinder, zehn und 12 Jahre alt, die wir nicht in den Krieg schicken wollten. Gleichzeitig fing in Deutschland das Geschäft mit meinen Büchern an zu laufen. So hat sich das ergeben. 1977 wurde es mit der Apartheid immer schlimmer, wir zogen nach München. Wir kamen mit zwei Kindern und zwei Koffern. Wir wussten nichts mehr von Deutschland. Die redeten hier vom Kaiser und wir dachten: Der ist doch längst tot. Dabei meinten die Franz Beckenbauer.

SZ: Sie hatten nichts?

Heine: Nein. Ich habe mir zwei Jahre gegeben und gesagt: Wenn ich es in der Zeit als Künstler schaffe, ist es gut. Sonst hätte ich zurück in die Werbung gemusst. Giselas Kinder gingen in ein Internat, um sich zu akklimatisieren.

SZ: Es sind nicht Ihre Kinder?

Radowitz: Es sind die Kinder aus meiner ersten Ehe.

SZ: Einer der bekanntesten Kinderbuchautoren hat keine eigenen Kinder?

Heine: Nein. Das ist auch gar nicht nötig. Ich will mir nicht vorstellen, wie ein bestimmtes Kind auf mein Buch reagiert. Alle Kinder sind unterschiedlich. Das gibt mir Freiheit beim Zeichnen und Schreiben. Ich liebe Giselas Kinder wie eigene. Wir lernten uns 1965 kennen und leben seit 1977 zusammen.

SZ: Nervt es Sie eigentlich, dass Kinderbuchautoren nicht als richtige Autoren gelten?

Heine: Autoren, die nicht schreiben können, sagen oft: Ich mache erst mal ein Bilderbuch. Dabei ist das hohe Kunst. Das ist die Verdichtung und Inszenierung einer Geschichte auf ein paar Seiten. Ein Arzt hat mal zu mir gesagt: Kinderbücher seien ja keine richtigen Bücher. Ich erlaubte mir die Gegenfrage, ob nach seiner Ansicht Kinder keine richtigen Patienten seien. Sprachlos machen mich manchmal die Kritiken. Ein Rezensent hat mal geschrieben: So spricht ein Osterhase nicht. (lacht)

SZ: Haben Sie Angst, dass Ihnen mal nichts mehr einfällt?

Heine: Ach, ich sammele Ideen in einem Hängeordner. Als ich zum Beispiel einmal mit meinen Kindern durch den Englischen Garten gegangen bin, blieben sie vor einer Statue stehen und fragten: "Wer ist denn das da?" Ich wusste es nicht und unser Sohn brummelte: "Ruhm vergeht aber schnell." Und schon hatte ich ein Thema: der Superhase.

SZ: Wie lief es, als Sie aus Afrika herkamen? Hatten Sie genug Geld?

Heine: Ja, es lief relativ schnell an. Ich mache ja nicht nur Bilderbücher, ich bin auch Ghostwriter für die Industrie. Oder ich habe für Peter Maffay das Musical "Tabaluga" mit entworfen. Weihnachtspostkarten für Firmen zeichne ich auch.

SZ: Das machen Sie bis heute?

Heine: Ja, sicher. Das ist eine Herausforderung. Letztlich bekam ich von einem Unternehmen als Thema, für ihre Weihnachtspostkarte den polarisierten Umkehrhubmagneten zu gestalten. Aber das bitte mit Humor. (lacht)

SZ: Das machen Sie immer noch, obwohl Ihre Bücher eine Auflage von 25 Millionen Stück haben?

Heine: Ich bin glücklich, ein wunderschönes, abbezahltes Haus in Neuseeland zu besitzen mit einem großen Garten. Und alle anfallenden Rechnungen bezahlen zu können.

SZ: Wir rechnen mal aus: 25 Millionen Bücher mal zehn Euro mal zehn Prozent: Sie müssen 25 Millionen Euro verdient haben.

Heine: Schön wär's. Wenn Sie Taschenbücher nach China verkaufen, kommt da kaum was bei rum.

SZ: Welches Buch hat denn die höchste Auflage?

Heine: "Freunde". Über eine Million Auflage. Das ist ein Klassiker, dafür werden unsere Kinder noch Tantieme bekommen. Die "Freunde" sind unsere Rente.

Interview: Alexander Hagelüken

und Hannah Wilhelm