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Reden wir über Geld: Helme Heine:Das politische Bilderbuch

SZ: Hat Afrika Sie zum Künstler gemacht?

Photocall 'Mullewapp'

Kinderbuchautor Helme Heine (r.) und dessen Frau Gisela von Radowitz zusammen mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst .

(Foto: ddp)

Heine: Ja. In Deutschland wäre ich bestenfalls Art Direktor einer Werbeagentur geworden. Und hätte wahrscheinlich Burn-out bekommen.

SZ: Schreiben Sie gezielt Kinderbücher für ein bestimmtes Alter?

Heine: Nein, ich schreibe keine Geschichten für Kinder von vier bis sechs Jahren oder so. Ich schreibe Bücher, die auch Eltern und Großeltern schätzen. Meine Bücher müssen immer einen elementaren, philosophischen Hintergrund haben. Bilderbücher können auch politischer Natur sein. Nicht über SPD und FDP, sondern eben über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Das sind Geschichten, die verstehen alle, Kinder und Eltern, weltweit. Deshalb verkaufen sich meine Bücher auch in so vielen Ländern.

SZ: So wie das "Freunde"-Buch.

Heine: Ja, Anfang der 80er Jahre wollte ich ein Buch über Freundschaft machen. Dafür brauchte ich drei Akteure. Alleine ist man ein Narziss, zwei ist das Übliche, die Dreier-Konstellation ist interessant. Sie sollten so gegensätzlich sein wie Dick und Doof oder Don Quijote und Sancho Pansa. So kam ich auf den dicken Waldemar, das Schwein, ein Typ wie Helmut Kohl, der die Dinge aussitzt. Als Gegensatz dazu erfand ich den kleinen Johnny Mauser, der listig und clever sein muss, um zu überleben. Franz von Hahn ist der Künstler. Der möchte gerne abheben, aber die Schwerkraft holt ihn immer wieder ein. Das Symbol für die Freundschaft der drei ist das Fahrrad: Keiner von ihnen kann es alleine fahren, zusammen aber gelingt es.

Radowitz: Nicht, dass Sie das jetzt falsch verstehen. Ich hoffe, Helmut Kohl ist uns nicht böse, denn bei uns sind Schweine sehr positiv besetzt.

Heine: Wir hatten in Südafrika ein Hausschwein. Das hieß Sauraya - in Anlehnung an Kaiserin Soraya. Das war gelehriger als jeder Hund. Es räumte die Mülltonnen aus und trank gerne Bier.

SZ: Sie hatten ein besoffenes Hausschwein?

Heine: Immer, wenn es besoffen war, rutschten ihm die Pfoten weg. (lacht)

SZ: Woher kennen Sie beide sich?

Radowitz: Vom Theaterspielen in Südafrika. Wir haben Wolfgang Hildesheimers Stück "Das Opfer Helena" gespielt, ich die Helena, Helme den Paris. Wir haben uns das erste Mal auf der Bühne geküsst. (lacht)

SZ: Hält man das aus, wenn der eine bekannter ist als der andere?

Radowitz: Helme war durch seine Kinderbücher früher bekannt als ich. Aber diese Frage stellt sich gar nicht.

Heine: Ich bin auch unbekannt. Mein Gesicht kennt niemand. Zum Glück. Bei Janosch, dessen Figuren tausendfach vermarktet wurden, ist das anders. Kennen Sie den Witz: Treffen sich zwei Hausfrauen, sagt die eine: Hast Du schon gehört, Janosch macht jetzt auch Bücher.

SZ: Werden Ihre Figuren vermarktet?

Heine: Nein. Ich lege ein Veto ein, wenn die Entwürfe nicht meinen Originalen entsprechen. Die große Phase des Merchandising ist allgemein gottlob vorbei. Jedes Kind hat schon genug Tassen oder T-Shirts von seinen Lieblingsfiguren.

SZ: Was macht Geld aus Menschen?

Heine: Bis zu einer bestimmten Höhe braucht man es, um sein Leben zu gestalten. Bei 60.000 Euro im Jahr Einkommen, habe ich gelesen, hat man das höchste Glücksempfinden. Das kann nicht gesteigert werden. Man kann nur ein Auto zur gleichen Zeit fahren und nur so viel essen, bis man satt ist. Wenn Menschen zu viel Reichtum anhäufen, dann wendet sich das Geld gegen sie. Dann treten Neider auf, sie brauchen Schutz, Sicherheit. Geld ist ein Bewertungsmaßstab für Leistung und Güter, mehr nicht.