bedeckt München

Reden wir über Geld:"Ich habe durch die Krise zwei Milliarden verloren"

SZ: Fahren Sie zu Auswärtsspielen?

Hopp: Nur, wenn es einen abgeschotteten Bereich gibt. Wenn die Fans "Hopp, du Hure" rufen, ist das eine Sache. Aber ein blaues Auge möchte ich nicht.

SZ: Was passiert mit dem Fußball, wenn die Abramowitschs und Scheichs dieser Welt Clubs mit Geld vollpumpen?

Hopp: Natürlich ist es bizarr, wenn dieser Scheich aus Abu Dhabi den Spieler Kaká für 120 Millionen Euro vom AC Mailand weglocken will. Aber ich halte es mit denen, die sagen, ist doch wunderbar, dann fließt das Geld in den Fußball-Kreislauf. Der AC Milan kauft mit dem Geld woanders ein, andere Vereine profitieren und so wandert das Geld am Ende vom falschen in die richtigen Töpfe.

SZ: Je mehr Geld im Kreislauf ist, desto höher sind die Ansprüche der Spieler. In England ist am meisten Geld im Kreislauf, und da kosten Stadiontickets mehr als 40 Euro - zu teuer für viele Menschen. Droht das auch in Deutschland?

Hopp: Ja, in England sind die Gehälter zu hoch und die Tickets zu teuer - weil den Managern das richtige Augenmaß fehlt. Es gibt Bestrebungen, die Gehälter zu begrenzen. Im Eishockey gab es das schon mal, aber das wurde unterlaufen. Ich halte von Regulierung nicht viel, der Markt wird sich schon regeln. Kann sein, dass jetzt ein paar Vereine in England, Italien oder Spanien Konkurs anmelden.

SZ: Verlieren Sie lieber im Golf gegen Ihren Partner Franz Beckenbauer oder mit Hoffenheim gegen den FC Bayern?

Hopp: Lieber im Golf (lacht).

SZ: Wer Erfolg haben will, muss mit erfolgreichen und selbstbewussten Kräften wie Ihrem Trainer Ralf Rangnick arbeiten. Der sagt: Kein Spieler darf mehr verdienen als ich. Akzeptieren Sie das?

Hopp: Er sollte wissen, dass es auch bei SAP immer mal Leute gab, die ihre Ziele weit übererfüllt haben und dann mehr als der Vorstand verdient haben.

SZ: Was ist die größte Gefahr für Ihren Fußball-Verein?

Hopp: Wenn wir den Erfolg überbewerten und das Erreichte um jeden Preis bewahren wollen, etwa durch den Kauf von Stars. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten.

SZ: Im Winter verpflichteten Sie mit Timo Hildebrand den ersten deutschen Nationalspieler. Da haben Sie doch schon den ersten Star gekauft.

Hopp: Timo Hildebrand ist nicht als Star gekommen. Er kommt als jemand, der eine Riesenenttäuschung erlebte bei Valencia. Ich denke, er will mit Hoffenheim zurück in die Nationalmannschaft.

SZ: Sie wollen, dass der Verein spätestens nächste Saison mehr einnimmt als ausgibt und irgendwann ohne Ihr Geld auskommt. Der Trainer ist nicht einverstanden, dass Hoffenheim bald auf eigenen Füßen stehen soll.

Hopp: Na gut, da gibt es durchaus Miss-, äh, unterschiedliche Meinungen. Der Trainer sagt, ich will alle Chancen nutzen, und ich will Hoffenheim auf eigene Beine stellen. Ich denke, dass darin kein Widerspruch liegen muss.

SZ: Ärgern Sie sich über Spitzenmanager, die ihr Geld im Ausland verstecken? Sie haben ja eine Stiftung gegründet und zahlen in Deutschland Steuern.

Hopp: Von dem Herrn, der kürzlich eine Bewährungsstrafe bekommen hat, war ich mehr als überrascht. Mich hat gewundert, wie man so etwas machen kann.

SZ: Sie meinen Klaus Zumwinkel, der für Steuerhinterziehung eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung bekommen hat. Hätten Sie ihn in den Knast geschickt?

Hopp: Das sage ich nicht. Ich frage mich aber, warum man Steffi Grafs Vater Peter, der wahrscheinlich ein bisschen einfacher gestrickt ist als Zumwinkel, vier Jahre ohne Bewährung aufbrummte.

SZ: Graf stammt aus der Region hier.

Hopp: Wir haben ihn in den Golfclub aufgenommen, nach seiner Gefängnisstrafe.

SZ: Eine Resozialisierung auf dem Golfplatz!

Hopp: Wenn Sie wollen, ja.

© SZ vom 06.02.2009/tob
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema