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Reden wir über Geld:"Ich habe durch die Krise zwei Milliarden verloren"

SZ: Gibt es etwas, vor dem Sie persönlich Angst haben?

Dietmar Hopp: Ich hatte vor allem früher die Sorge, dass meine Söhne entführt werden könnten. Ich habe extra zwei Leute beschäftigt, die auf die Familie aufpassten. In der Nacht steht auch heute noch immer ein Wachmann vor dem Haus. Das ist schon komisch.

SZ: Trotz der Finanzkrise sind Sie einer der reichsten Männer in Deutschland. Welchen Luxus gönnen Sie sich?

Dietmar Hopp: Mir mangelt es an nichts. Ich habe ein ordentliches Auto (einen silbernen Mercedes mit gepanzerten Scheiben, die Redaktion), Ferienhäuser an der Côte d'Azur und in Florida. Aber eine Yacht brauche ich nicht.

SZ: Aber einen Privat-Jet.

Dietmar Hopp: Stimmt, eine Challenger 300...

SZ: ...die wegen ihrer Größe in Mannheim nicht vollgetankt werden kann...

Dietmar Hopp: ...weil die Startbahn zu kurz ist, okay.

SZ: Was kostet der teuerste Rotwein in Ihrem Keller?

Dietmar Hopp: Hm, das dürfte der Tignanello für 150 Euro sein, nachdem der zehn Jahre alte Petrus jetzt weg ist.

Rüdiger Hopp: Die letzten Flaschen hast du mir zu Weihnachten geschenkt.

SZ: Ein teureres Hobby von Ihnen ist der Fußball-Verein Ihrer Jugend, die TSG Hoffenheim. Noch im Sommer lautete Ihr Saisonziel für den Aufsteiger nur, in der Bundesliga zu bleiben. Inzwischen sind Sie Tabellenführer. Was streben Sie jetzt an?

Dietmar Hopp: Der erste Platz ist eine Momentaufnahme. Wenn mir jemand zusichert, dass wir am Ende Fünfter werden und einen Platz im Uefa-Cup haben - das unterschreibe ich sofort, ohne mehr zu verlangen.

SZ: Würde Ihr ehrgeiziger Trainer Ralf Rangnick das auch unterschreiben?

Hopp: Da bin ich nicht sicher. Aber ich denke schon.

SZ: Sie spielten in den 60er Jahren selbst bei Hoffenheim. Gab es damals Lohn?

Hopp: Ein Bauer spendierte für jedes Tor eine Dose Leberwurst.

SZ: Hätten Sie als Jugendlicher für Schalke gekickt, würden Sie heute wohl Schalke sponsern, in welcher Liga wäre Hoffenheim?

Hopp: In der Kreisliga, wo wir zu meiner Zeit spielten. War ja auch nicht so schlecht.

SZ: Wenn es in Deutschland 18 Dietmar Hopps gäbe und jeder würde den Verein seiner Jugend mit 175 Millionen Euro sponsern wie Sie, würden alle Traditionsclubs mit ihren Hunderttausenden Fans aus der Liga fliegen.

Hopp: Wer würde denn aus der Liga verdrängt? Bayern nicht, Schalke nicht, Dortmund nicht. Warum? Bayern hat 160.000 Mitglieder, Hoffenheim 2000. Maximal die vier Schwächsten würden verdrängt.

SZ: Sie haben so viel Geld in Hoffenheim gesteckt wie noch nie ein Sponsor in Deutschland in einen Verein. Verstehen Sie die Wut der Fans jener Traditionsvereine, die Geldsorgen haben?

Hopp: Nein, es flossen doch nur 25 Millionen Euro in Spielerkäufe. Mehr als 80 Prozent des Geldes geht in Stadien, Trainingszentren und Jugendarbeit. Wer das ignoriert, dem kann ich nicht helfen. Würden 18 Hopps in die Jugendarbeit investieren, hätten wir in fünf Jahren eine bärenstarke Nationalmannschaft.

SZ: Wann sind Sie das letzte Mal im Stadion angepöbelt worden?

Hopp: So richtig knackig bei Dortmund, als ein Fan dieses Transparent hochhielt, auf dem ich in einem Fadenkreuz zu sehen war, als wäre ich ein Schussziel. Das war der widerliche Höhepunkt.

Lesen Sie im dritten Teil, warum die TSG Hoffenheim bald ohne Geld von Dietmar Hopp auskommen soll - und was der SAP-Gründer über den Fall Zumwinkel denkt.

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