Reden wir über Geld: Gerhard Berger "Ich konnte nicht neun Monate durch den Schlamm rutschen"

SZ: Was war Ursache der Probleme?

Berger: Schlechtes Management. Als mein Vater starb, war ich ja noch Rennfahrer. Da habe ich den Laden Leuten überlassen, die sich kümmern sollten. Dass das nicht läuft, habe ich erst kapiert, als es fast zu spät war. Heute treffe ich die strategischen Entscheidungen. Wenn man eine Firma hat, muss man richtig drauf schauen, das habe ich gelernt.

SZ: Klingt aber nicht, als wären Sie Spediteur aus Leidenschaft.

Berger: Mein Vater starb bei einem Flugzeugabsturz, er hat diese Firma aufgebaut. Deshalb, und weil sie dort steht, wo ich aufgewachsen bin, habe ich eine besondere emotionale Bindung an dieses Unternehmen. Aber natürlich fließt da nicht mein ganzes Herzblut rein. Man wird nicht reich in diesem Geschäft, es geht um ganz geringe Margen. Aber ich stand plötzlich da mit diesem Unternehmen und irgendwann kommt dann der Ehrgeiz. Da denkt man sich: Gut, wenn ich es schon habe, dann soll es gut laufen.

SZ: Die Formel 1 würde Sie als Geschäftsfeld mehr reizen?

Berger: Sie reizt mich, keine Frage. Aber im Moment ist sie im Wesentlichen nur für Bernie Ecclestone ein gutes Geschäft, der die Rechte vermarktet.

SZ: Sie könnten Ecclestone beerben. Der Mann ist achtzig.

Berger: Reizvoll, aber Bernies Schuhe sind mir wirklich zu groß. Eigentlich suche ich keinen Job. Aber es gibt Tage, an denen mir der Motorsport fehlt.

SZ: Sie wohnen seit 1987 in Monte Carlo. Haben Sie mal ausgerechnet, wie viel Steuern Sie so gespart haben?

Berger: Ach, so viel kann das nicht gewesen sein (lacht). Aber ich bin damals nicht nur deshalb dorthin gezogen, sondern auch wegen des Militärs.

SZ: Wegen des Militärs?

Berger: Das österreichische Bundesheer wollte mich zum Wehrdienst einziehen. Ich hatte das ein paar Mal verschoben, aber irgendwann war das ausgereizt. Da war ich Mitte zwanzig und hatte einen Vertrag mit Ferrari. Ich konnte nicht neun Monate durch den Schlamm rutschen, da wäre mein Cockpit weg gewesen. Also bin ich weg aus Österreich. Obwohl sich die Sache dann doch anderweitig regeln ließ.

SZ: Was heißt denn "anderweitig"?

Berger: Machen Sie aber jetzt nicht so eine große Sache draus, ja? Ganz Österreich hat das diskutiert, furchtbar. Die Kurzfassung lautet: Irgendwann war ich untauglich und die Sache vom Tisch.

SZ: Sie haben als Leistungssportler Millionen verdient und wurden als untauglich eingestuft?

Berger: Immerhin werden ein paar meiner Wirbel mit Schrauben zusammengehalten, das darf man nicht vergessen (grinst). Jedenfalls gab es damals eine Diskussion im Fernsehen, ich war eingeladen und der Verteidigungsminister auch. Das sollte eine harte Konfrontation werden, aber vor der Sendung flüsterte der Minister, wir sollten uns nicht bekriegen, dann würden wir uns schon einigen. Also habe ich während der Sendung die Klappe gehalten, alle waren ganz irritiert. Aber wenig später hat man, sagen wir, meine Untauglichkeit erkannt.

SZ: Nach Monaco gezogen sind Sie dann aber trotzdem. Ihre Kinder wachsen nicht auf wie im Wilden Westen, sondern in einer Enklave für Superreiche.

Berger: Das stimmt, damit hadere ich auch manchmal. Aber es sind Mädchen - für den Ankauf und Verkauf von Fahrrädern hätten sie sich vermutlich ohnehin nicht begeistert.