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Reden wir über Geld:"Faust war der erste globale Unternehmer"

Der Ökonom Hans Christoph Binswanger über Goethes Magie der Wirtschaft, seinen Schüler Josef Ackermann und darüber, warum die Welt zu viel Geld hat.

Hans Christoph Binswanger bringt Zettel mit in sein Büro. Hier, im St. Galler Institut für Wirtschaft und Ökologie, wird er nun ab und zu kruschteln, auf der Suche nach einem passenden Zitat großer Denker. Der 80-jährige Ökonom ist selbst ein großer. Er hat die Ökosteuer erfunden und über die Grenzen des Wachstums nachgedacht, zuletzt in seinem Buch "Vorwärts zur Mäßigung". Der Faust'sche Kapitalismus hat es Binswanger besonders angetan.

Binswanger, Foto: IWÖ-HSG

"Faust hat verstanden, dass die Wirtschaft dem göttlichen Schöpfungsprozess nahekommt", sagt Hans Christoph Binswanger.

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SZ: Herr Binswanger, reden wir über Geld. Und über Goethes Faust. Wie hängt beides zusammen?

Binswanger: Faust war der erste global denkende Unternehmer. Er hat verstanden, dass die Wirtschaft dem göttlichen Schöpfungsprozess nahekommt. Aus wenig immer mehr machen, das ist das Magische an der Ökonomie.

SZ: Und am Anfang steht das Geld.

Binswanger: Es kann in der Druckmaschine unendlich vermehrt werden. Die Alchemisten wollten Gold herstellen, es war der große Traum. Mit dem Papiergeld ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Die Ressourcen der Natur sind nicht beliebig steigerbar, das Geld hingegen schon. Unendlicher Reichtum scheint möglich.

SZ: Aber nur auf dem Papier.

Binswanger: Wir sind an dem Punkt angelangt, da ein zusätzlich gedruckter Geldschein mehr Schaden als Nutzen stiften kann. Die amerikanische Notenbank pumpt Geld in die Wirtschaft wie noch niemals zuvor. Und auch in anderen Staaten ist der Hahn offen. Dadurch weitet sich neben dem Papiergeld auch die Bank- oder Buchgeldmenge aus. Die Welt hat zu viel Geld.

SZ: Wie kommen Sie denn darauf?

Binswanger: Die Investoren und Unternehmer wissen nicht mehr, wofür sie das Kapital einsetzen sollen. Das Geld vermehrt sich schneller als die kreative Phantasie. Es werden Dinge produziert, die man nicht braucht.

SZ: Was haben Sie gegen ein großes Angebot?

Binswanger: Nichts, aber es fällt auf, dass in der Drogerieabteilung eines Kaufhauses die wichtigen Dinge wie Rasierschaum, Seife oder Pflaster irgendwo in der Ecke stehen. Prominent platziert sind die Kosmetika und der Schmuck.

SZ: Auch nicht gerade unwichtig, diese Produkte.