Reden wir über Geld: Charles Schumann "Ich war nie in der Schickeria"

30 Jahre Leben in Deutschlands bekanntester Bar und noch immer nicht müde: Charles Schumann über rüpelhaftes Verhalten auf bayerisch, Sünden gegenüber Gästen und seine ewige Sehnsucht.

Interview: A. Hagelüken u. A. Mühlauer

Ein Vormittag in "Deutschlands berühmtester Bar" (Tagesspiegel), dem Schumann's am Odeonsplatz in München. Charles Schumann, 68, ist da, weil er immer da ist. Durch ihn wurde aus einer Kneipe, die früher "Die Kanne" hieß, eine bundesweite Institution. Jetzt müsste der Meister nur noch überzeugt werden, über das alles zu reden.

Klare Ansage: "Ich will kein Stück Fleisch für 70 Euro verkaufen!" Charles Schumann kommt nach all der Zeit noch immer gerne in seine Bar.

(Foto: Rumpf, Stephan)

Charles Schumann: So, Jungs, was wollt Ihr von mir?

SZ: Mit Ihnen über Geld reden.

Schumann: Das ist doch ein Schmarrn. Da kommt doch nichts bei raus.

SZ: Es ist eine ganze Reihe von Geld-Interviews, mit Leuten wie Martin Walser oder Bushido.

Schumann: Walser? Bushido? Es interessiert mich nicht, was die von Geld halten. Ich hoffe, sie haben genug. Außerdem: Geld interessiert mich nicht.

SZ: Wenn wir uns so umschauen: Die Tische sind voll. Schafft man das, ohne sich für Geld zu interessieren?

Schumann: Ich kann nicht mal die Bilanz des Ladens lesen.

SZ: Läuft der Laden oder nicht?

Schumann: Der läuft. Könnte aber besser laufen, wenn ich mehr Ahnung vom Geld hätte. Ich hab immer sehr viel Glück gehabt.

SZ: Wann zum Beispiel?

Schumann: Als ich vom kleinen "Schumann's" in der Maximilianstraße hierher in diese riesige Location am Odeonsplatz gezogen bin, hab ich verdammt viel Geld ausgegeben. Die Banken wollten mir anfangs keinen Kredit geben, die haben mich gefragt: Wie alt sind Sie eigentlich?

SZ: Wie hoch ist die Miete?

Schumann: Die Miete ist hoch. Wenn ich aber von Gastronomen höre, die in München 40.000 Euro Miete im Monat zahlen, frage ich mich, wie die das schaffen wollen. Das ist Wahnsinn! Im Schnitt zahlt man in der gehobenen Gastronomie 10.000 bis 15.000 Euro Miete. Bei mir ist es teurer.

SZ: Wo kommt der Umsatz her?

Schumann: Wir sind mittlerweile sehr essenslastig. Das ist schlecht, finde ich.

SZ: Warum?

Schumann: Na weil der Wareneinsatz beim Essen viel zu hoch ist. Also, das sind Fragen, die müssten Sie selbst beantworten können. Ist doch klar, dass man mit Getränken mehr verdient als mit Essen.

SZ: Was überrascht: Trotz Ihrer Bekanntheit sind die Getränke für Münchner Verhältnisse recht günstig.

Schumann: Mir ist wichtig, dass hier jeder was trinken kann. Ich finde es unverschämt, wenn Bars für einen Cocktail 15 Euro verlangen und jede Kneipe um die Ecke teurer ist als wir. Es ist doch dreist, wenn ein Gastronom, bloß weil es in ist, Steaks für 70 Euro anbietet, weil das Fleisch angeblich aus Japan kommt.

SZ: Manche Gäste zahlen das.

Schumann: Na dann bin ich vielleicht doof, weil ich es nicht mache. Aber ich will kein Stück Fleisch für 70 Euro verkaufen! Nur Angeber leisten sich das. Gäste, die das bezahlen, sind nicht mein Klientel.