Reden wir über Geld "Ein Eldorado für Kapitalanlagebetrüger"

SZ: Mülltrennung als Verbrechensbekämpfung. Auf welche Argumente fallen Anleger denn am häufigsten herein?

Fuchsgruber: Den Deutschen ist Steuersparen wichtiger als Sex. Deshalb werben Betrüger fast immer mit dem Steuersparen. Außerdem fallen Anleger auf das Argument herein, etwas sei sicher - oder gut für die Umwelt. Ein Betrüger verkaufte Beteiligungen an Windkraftanlagen, die er auf ein Schiff stellte. Das Schiff fiel um, das Geld war weg.

SZ: Lernen die meisten Anleger aus solchen Erfahrungen?

Fuchsgruber: Nein. Einer ließ sich fünfmal reinlegen und verlor 150.000 Mark. Der investierte erst 30.000 Mark, die waren weg. Aber er dachte: Das Geschäft ist gut, es hat nur diesmal nicht funktioniert. Also legte er weiter an und fiel auf immer neue Versprechen rein.

SZ: Wie viele Anleger fallen nochmals rein?

Fuchsgruber: 25 bis 35 Prozent.

SZ: Ist jemand nicht selber schuld, wenn er ein fünftes Mal hereinfällt?

Fuchsgruber: Ich tue mich schwer, solche Menschen zu kritisieren.

SZ: Sind Deutsche dümmer als andere?

Fuchsgruber: Nein. Aber Deutschland ist ein Eldorado für Kapitalanlagebetrüger. Die Gesetze sind lax, Betrüger werden nicht so stark verfolgt. Und die Deutschen sind reich.

SZ: Wovon sollte man die Finger lassen?

Fuchsgruber: Von Anlagen, die man nicht versteht.

SZ: Dann dürften wir uns auch keine Waschmaschine kaufen.

Fuchsgruber: (lacht) Aber dabei ist der finanzielle Schaden kleiner.

SZ: Woran erkennt man noch Betrug?

Fuchsgruber: Wenn man zeitlich gedrängt wird. Und das Versprechen: Wir machen nur dich reich. Solche Angebote sollten Sie vergessen. Und die Show ist schlecht. Die muss der Kunde bezahlen.

SZ: Sind Menschen mit Hauptschulabschluss anfälliger als Akademiker?

Fuchsgruber: Nein. Ein Beispiel: Ein erfolgreicher Unternehmer hebt 30 Millionen Mark ab und fährt mit seinem Anwalt nach Paris. Dort wird ihm in einem edlen Hotel eine große Show vorgespielt. Der Anleger schiebt das Geld über den Tisch einem französischen Politiker zu. Da kommt einer herein und sagt zu dem Politiker: "Sie müssen schnell ans Telefon." Der Politiker steht auf, nimmt den Koffer und sagt zu dem Anleger: "Wir sehen uns ja nachher beim Dinner." In dem Moment fragt der Anleger natürlich nicht nach einer Quittung.

SZ: Und das Geld war weg?

Fuchsgruber: Ja. Das Unglaublichste: Die Polizei hat die Typen erwischt. Aber der Anleger bekam seine 30 Millionen nie wieder - weil er keine Quittung hatte.

SZ: 30 Millionen bei einem Geschäft - Anlagebetrug lohnt sich.

Fuchsgruber: Es ist höchst rentierlich. Für Drogen- und Waffenhandel müssen Sie mit hohen Strafen rechnen. Bei Anlagebetrug nicht, man bekommt höchstens drei, vier Jahre. Und wenn man lesen und schreiben kann, wird man sofort Freigänger. Also: Anlagebetrug lohnt sich mehr als Drogenhandel

SZ: Wie viel Startkapital braucht ein Betrüger?

Fuchsgruber: Eine Million Euro schon. Die Show soll ja stimmen, wie im Pariser Fall. Ein Betrüger braucht Prospekte, schöne Büros, Renommee. Dann kann er das 10- bis 50-Fache erbeuten.