Reden wir über Geld (3): Anselm Grün:"Geld gefährdet die innere Freiheit"

Lesezeit: 7 min

SZ: Und Ihr Auto?

Grün: Ich kaufe immer für 8000, 9000 Euro einen Unfallwagen und fahre ihn, bis es nicht mehr geht. Im Augenblick fahre ich einen Golf mit 240000 Kilometern auf dem Buckel.

SZ: Hm. Hunderte Kilometer unterwegs zu Vorträgen in einer alten Kiste und Sie behaupten, das nervt nicht?

Grün: Manchmal nervt es schon. Aber ich will nichts Besseres sein als meine Mitbrüder.

SZ: Es durchzuckt Sie nie der Gedanke: Mensch, Du könntest ein schönes Haus besitzen, reisen, wohin Du willst?

Grün: Ach, Luxus ist für mich keine Versuchung. Manchmal laden mich Bankvertreter oder Manager zum Essen ein, das ist dann gut und teuer, aber oft fühle ich mich unwohl und denke: Da würdest Du alleine nie hingehen. Da kostet allein die Nachspeise 12 Euro. Es ist lecker, aber einfach übertrieben.

SZ: Was macht Sie glücklich, wenn es nicht Geld und Luxus sind?

Grün: Ich bin glücklich, wenn ich Menschen durch Bücher, Vorträge, Gespräche Wege weisen kann. Und wenn ich spirituelle Erfahrungen mache, wenn ich Gott suche und in der Stille einen tiefen inneren Frieden spüre.

SZ: Sie schreiben, Sexualität und Aggression seien die wichtigsten Lebensenergien. Wie kommen Sie damit klar, als Mönch beides zu unterdrücken?

Grün: Es gibt ja immer die Vorstellung, wir Mönche müssten unsere Sexualität unterdrücken. Ich lasse sie in meine Kreativität fließen.

SZ: Und das reicht, Sie haben kein Bedürfnis nach Sexualität?

Grün: Nach Sexualität nicht, nur manchmal nach Zärtlichkeit.

SZ: Sie sind mit ihren Büchern extrem erfolgreich. Warum?

Grün: Ach, wenn ich das so genau wüsste. Ich treffe, glaube ich, die Emotion vieler Leser, meine Sprache bewertet nicht und drängt nichts auf. Ich gaukle keine heile Welt vor. Und dann hat die christliche Spiritualität auch eine eigene Kraft, und die versuche ich, den Leuten zu erschließen. Dass ich da erfolgreich bin, freut mich schon. Da gönne ich mir manchmal eine kleine Eitelkeit und genieße die Anerkennung.

Ist ein Mönch stolz auf Einnahmen? Die Antwort lesen Sie im nächsten Abschnitt

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