Reden wir über Geld (23): A. zu Schaumburg-Lippe:"Ich bewohne nur elf von 250 Räumen"

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SZ: Wie muss man sich das vorstellen: Die anderen fahren im Rolls-Royce vor, der verarmte Graf kommt auf dem Fahrrad?

Reden wir über Geld (23): A. zu Schaumburg-Lippe: Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe mit seiner Ehefrau Nadja Anna Prinzessin zu Schaumburg-Lippe vor Schloss Bückeburg.

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe mit seiner Ehefrau Nadja Anna Prinzessin zu Schaumburg-Lippe vor Schloss Bückeburg.

(Foto: Foto: dpa)

Schaumburg-Lippe: Es ist in den alten Familien generell nicht üblich, Geld so deutlich zu zeigen. Daher sind die sichtbaren Unterschiede nicht sehr groß.

SZ: Zum Rest der Gesellschaft schon. Sie verteilten ja als Jugendlicher Flugblätter für die eher Reichen-kritische SPD.

Schaumburg-Lippe: Auf diese Weise fand mein Vater heraus, dass ich den Jusos angehörte. Das war das Ende meiner Parteikarriere. Er sagte: Bei den Jusos - no way, mein Freund. Er war erziehungsberechtigt, ich war ja erst 16.

SZ: Und als Sie 18 waren, hatte sich das mit den Jusos für Sie schon erledigt?

Schaumburg-Lippe: Als ich 18 war, wollte ich mich nicht mehr engagieren. Heute bin ich in der FDP.

SZ: Viele junge Leute rebellieren erst recht, wenn die Eltern etwas verbieten.

Schaumburg-Lippe: Ich wollte mich nicht mehr grundsätzlich abgrenzen gegenüber den Kreisen, aus denen ich nun mal komme. Ich hatte einfach verstanden, dass das zu meiner Identität gehört.

SZ: Sie vermarkten heute den Markennamen Schaumburg-Lippe für Produkte.

Schaumburg-Lippe: Wir lassen Sekt und Wein in Süddeutschland herstellen und Schokolade in Österreich. Diese Produkte versehen wir mit unserem Namen, weil wir die Philosophie haben, unseren Lebensstil zum Kauf anzubieten.

SZ: Was noch?

Schaumburg-Lippe: Das Schloss. Mein Vater sagte, an der Schlossbrücke hört das Business auf. Ich habe gesagt, keineswegs, da fängt es erst richtig an.

SZ: Was machen Sie anders?

Schaumburg-Lippe: Mein Vater war verpflichtet, das Haus für den Besucherbetrieb offen zu halten, aber das war auch die einzige Konzession, zu der er bereit war. Es wäre ihm nie eingefallen, etwa das Haus als Filmlocation herzugeben.

SZ: Was wird hier gedreht?

Schaumburg-Lippe: Wir hatten mal Hape Kerkeling mit einer Parodie auf das englische Königshaus. Das fanden einige Verwandte schon grenzwertig.

Auf der nächsten Seite: "Ein Vorfahr war qualifiziert genug, das Land Schleswig-Holstein als Lehen zu bekommen."

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