Reallöhne in Deutschland Für die Beschäftigten bleibt am Ende nichts

Deutschlands Industrie feiert Rekorde, doch die Beschäftigten profiteren kaum: Die Löhne sind nach Abzug der Inflation im dritten Quartal zurückgegangen. Erstmals seit 2009 könnten sie auch im Gesamtjahr real fallen. Ein Grund: In manchen Branchen haben Unternehmen ihre Sonderzahlungen deutlich reduziert.

Die Inflation ist in Deutschland nicht besonders hoch. An sich ist das ein erfreulicher Umstand. Wenn allerdings die Löhne noch langsamer steigen als die Preise, gibt es ein Problem: die Beschäftigten können weniger von ihrem Einkommen kaufen - die Löhne fallen real, wie das die Ökonomen nennen.

In diesem Jahr könnte die Inflation die Einkommenssteigerungen wohl komplett aufzehren: Zumindest sanken die Reallöhne im dritten Quartal. Nach Abzug der Inflation hatten sie 0,3 Prozent weniger in den Taschen als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Zwar stiegen die Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer um 1,3 Prozent. Die Verbraucherpreise legten aber mit 1,6 Prozent stärker zu und zehrten die Lohnzuwächse wieder auf. Damit zeichnet sich auch für das Gesamtjahr erstmals seit dem Krisenjahr 2009 "ein geringer Reallohnverlust ab". 2012 hatte es noch ein reales Plus von 0,5 Prozent gegeben, 2011 von 1,2 Prozent und 2010 von 1,5 Prozent.

Im zweiten Quartal von April bis Juni hatten sich Inflation und Einkommenssteigerung die Waage gehalten - die Reallöhne blieben also unverändert. Und auch im ersten Quartal war der Anstieg der Verbraucherpreise höher ausgefallen als der Anstieg der sogenannten Nominallöhne.

Der vergleichsweise geringe Anstieg der Nominallöhne im dritten Quartal sei vor allem auf deutlich geringere Sonderzahlungen bei Banken, Versicherungen und in der öffentlichen Verwaltung zurückzuführen, erklärte das Statistische Bundesamt. In der Industrie dagegen kletterten die Löhne von Juli bis September um 2,3 Prozent, der Anstieg lag also über dem der Verbraucherpreise.

Der Durchschnittslohn eines Vollzeitbeschäftigten lag im dritten Quartal der Statistik zufolge bei 3462 Euro brutto im Monat - ohne Sonderzahlungen. Am besten zahlten demnach Banken und Versicherungen sowie Energieversorger, am schlechtesten das Gastgewerbe. Dort verdiente ein Vollzeitbeschäftigter durchschnittlich 2012 Euro brutto.