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Ratingagentur Moody's:Eine Insel wird zu Ramsch

Kurz vor ganz unten: Weil Island immer noch Ärger mit Großbritannien und den Niederlanden hat, droht die Ratingagentur Moody's mit dem Ramschstatus für die Kreditwürdigkeit des Inselstaats.

Island in Not: Die Ratingagentur Moody's könnte schon bald die Bonität der Insel auf Ramschstatus zurückstufen. Grund sei unter anderem der ungelöste Streit um die Rückzahlung ausländischer Sparguthaben, teilte Moody's mit.

Die Agentur bewertet den EU-Beitrittskandidaten derzeit mit Baa3 - gerade noch eine Stufe über Ramschstatus. Diese Note könnte Island nun in den kommenden anderthalb Jahren verlieren.

Im sogenannten Icesave-Streit geht es um die Erstattung von rund 3,5 Milliarden Euro, die britische und niederländische Sparer bei der isländischen Direktbank Icesave im Zuge der Finanzkrise verloren hatten. Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und nordischer Nachbarn liegen bis zu einer Lösung des Konflikts auf Eis.

Moody's und seine beiden großen Rivalen Standard and Poor's und Fitch werden von den bewerteten Unternehmen selbst für die Ratings bezahlt. In der Finanzkrise waren sie stark in die Kritik geraten, weil sie unter anderem hochriskanten Papieren beste Noten gegeben hatten. Moody's hat derweil im zweiten Quartal von der steigenden Nachfrage nach Bonitätsbewertungen profitiert. Das Unternehmen steigerte seinen Gewinn binnen Jahresfrist um knapp elf Prozent auf 121 Millionen Dollar und übertraf damit die Marktprognosen. Auch beim Umsatz schlug sich Moody's mit einem Plus von sechs Prozent auf 477,8 Millionen Dollar besser als erwartet.

Beim Blick in die Zukunft blieb die Firma allerdings vorsichtig, da sie unter anderem mit steigenden Kosten durch die Finanzmarktreform in den USA rechnet. An der New Yorker Börse wurden die Zahlen dennoch freudig aufgenommen: Moody's-Titel schnellten 5,6 Prozent in die Höhe.

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