Prozess Breuer gegen Kirch Tief verstrickt im Kleinklein

Kirch-Prozess ohne Kirch: Zu gern hätte Medienunternehmer Leo Kirch noch einen Sieg über Rolf Breuer, seinen Gegenspieler von der Deutschen Bank, davongetragen. Doch Kirch ist inzwischen tot. Bringt das die Prozessparteien näher zusammen?

Von Hans von der Hagen

Es wird laut, als die Deutsche Bank im Raum 4.11 des Oberlandesgerichts München einrückt. Rund ein Dutzend schwarz beanzugter Männer und eine Frau drängen nach vorne an die linke Seite des Sitzungssaals.

Erst bei einem Treffen mit dem früheren Kanzler Schröder sei ihm deutlich geworden, dass es Interesse an dem Aktienpaket der Deutschen Bank an Springer gab, behauptet Rolf Breuer.

(Foto: dapd)

Auf der Gegenseite geht es deutlich stiller zu. Vier Mann vertreten die Klägerin, die KGL Pool, in der insolvente Konzernteile der früheren Kirchgruppe zusammengeschlossen sind.

Leo Kirch, der am 14. Juli starb, war selbst nur einmal persönlich in diesem Prozess aufgetreten - und doch wusste jeder: Es ging um ihn. Um seinen Konzern, dem der frühere Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, mit einer unbedachten Interview-Aussage zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe den Todesstoß versetzt haben soll.

Zehn Jahre Streit

Am dritten Februar jährt sich dieses Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg nun schon zum zehnten Mal. Fast ebenso lang tobt der Streit zwischen Kirch und der Deutschen Bank - ein Ende ist nicht absehbar. Daran endet auch der Tod von Kirch nichts. Formell ohnehin nicht, denn die KGL Pool ist als juristische Person von Kirch unabhängig. Aber auch informell nicht: Es hat seit dem Tod offenbar keine Annäherung zwischen den Parteien gegeben.

Da kann Richter Guido Kotschy noch so sehr auf einen außergerichtlichen Vergleich dringen - die Deutsche Bank ist nicht bereit, diesen um jeden Preis herbeizuführen, selbst wenn ihr der Prozess noch so lästig ist.

Und so dreht sich nun wieder alles um das Kleinklein dieses Falls. Ein Urteil ist nicht in Sicht. Richter Guido Kotschy sagte, die jüngsten Befragungen hätten keinen Durchbruch zugunsten der Kläger gebracht.

"Wir bleiben bei unserer bisherigen Einschätzung", sagte der Richter am Oberlandesgericht München. Er hatte in dem Verfahren wiederholt betont, beiden Seiten nicht recht zu glauben.

Jetzt sollen sogar Sprachwissenschaftler Aufklärung bringen: Ein in englischer Sprache verfasstes Vorstandsprotokoll der Deutschen Bank aus dem Januar 2002 muss von einer Amerikanistik-Professorin übersetzt und erklärt werden. Kotschy sagte, das Protokoll und die Aussagen dazu von Breuer und seinem Nachfolger Josef Ackermann passten nicht ganz zusammen.

An diesem Dienstag ging es aber vor allem um ein Treffen beim damaligen Kanzler Schröder (SPD) am 27. Januar 2002 - kurz vor dem Interview mit Bloomberg. Breuer wies den Verdacht zurück, es habe vor der Zusammenkunft Absprachen etwa mit dem damaligen Chef der WAZ-Gruppe Erich Schumann gegeben. Beispielsweise über den Umgang mit der Kirch-Beteiligung am Springer-Verlag, die der Deutschen Bank für einen Kredit verpfändet worden war.

Es sei damals schon um die schwierige finanzielle Lage Kirchs gegangen, sagt Breuer. Er habe sich aber zugeknöpft verhalten. Hier hakt das Gericht nach: Was denn die übrigen Teilnehmer an diesem Treffen von ihm gewollt hätten. Warum sei er so zugeknöpft gewesen?

Subkutane Forderungen

Breuer sagt, dass die Deutsche Bank nicht direkt um Hilfe gebeten worden sei, aber unterschwellig, oder, wie Breuer es formuliert, subkutan eben doch. Es ist eines der seltenen Male im gesamten Prozessverlauf, dass Breuer lächelt. Ansonsten verfolgte er das Geschehen mit verschränkten Armen und finsterer Miene.

Erst auf diesem Treffen sei ihm deutlich geworden, dass es Interesse an dem Springerpaket gab, behauptet der frühere Deutsche-Bank-Chef. Er habe die Beteiligten dann aber über das Pfandrecht aufklären müssen. Dass die Deutsche Bank eben nur dann über die Aktien verfügen könnte, wenn Kirch im Zahlungsverzug gewesen wäre. Zu diesem Zeitpunkt sei das aber nicht der Fall gewesen.

An diesem Dienstag sagte auch der damalige Chef der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt, als Zeuge aus. Der Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn habe die Banken bei einem Treffen am 14. Februar 2002 in Ismaning mit einem deutlich erhöhten Geldbedarf überrascht.

Allerdings seien die Nöte der Kirch-Gruppe schon vorher bekannt gewesen, denn der Axel-Springer-Verlag, Rupert Murdoch und mehrere Banken hätten von Kirch Geld zurückhaben wollen. Breuers Interview habe in dieser Situation allerdings nicht entlastend gewirkt.

Das Gericht will nun in den nächsten Wochen weitere Zeugen vernehmen, darunter viele Top-Banker der damaligen Zeit und die Großverlegerin Friede Springer.

Eines scheint sicher: Die Deutsche-Bank-Anwälte werden noch viele Auftritte in München haben.