Proptechs Wie Gründer den Markt verändern wollen

Mit Virtual-Reality-Brillen können Makler und Projektentwickler Objekte ganz anders präsentieren.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Wohnungsvermittlung, Bauplanung, Finanzierung - für alles haben Start-ups eine digitale Lösung.

Von Janis Beenen

Ihr Ziel ist kein geringeres als die Revolution des Immobilienmarktes. Proptechs, so heißen die neuen Start-ups der Branche, bringen innovative Ideen in diesen boomenden Markt. Ob Baufinanzierung, Wohnungsvermittlung oder die Gestaltung des Alltags - die jungen Gründer haben für alle Bereiche eine digitale Lösung. Der Name Proptech ist eine Zusammensetzung der Worte Property, Eigentum, und Technology, Technik. Manches kann für Verbraucher nützlich sein. Aber nicht alle Angebote lohnen sich. Ein Überblick einiger Trends:

Investieren mit dem Schwarm

Das klassische Sparen brachte zuletzt kaum Erträge. Daher kommen Start-ups wie Zinsland oder Exporo als Chance auf schnelle Rendite daher. Sie ermöglichen es auch Kleinanlegern, mit Beträgen im drei- und vierstelligen Bereich in Bauvorhaben zu investieren - mithilfe von Crowdfunding. Die Webseiten stellen verschiedene Projekte in allen Regionen Deutschlands vor. Die Sparer können einen Betrag ihrer Wahl an den Bauträger zahlen. Nach einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren sollen die Investoren das Geld zurückbekommen. In der Regel ist eine Verzinsung von rund sechs Prozent versprochen.

Doch die Verlockung birgt Risiken. "Beim Crowdfunding haben die Anleger in der Regel ein Nachrangdarlehen", erklärt Lena Ribka, Kapitalmarkt-Expertin der Verbraucherzentrale Hessen. Das bedeutet: Geht der Bauträger in die Insolvenz, werden die Forderungen der Schwarmfinanzierer als Letztes bedient. Im September ist dieser Fall bei einem Bauprojekt in Berlin erstmals eingetreten. Verbraucher sollten sich nicht vom verbreiteten Glauben, Immobilien seien stets eine sichere Anlage, blenden lassen, so Ribka. Zudem rät sie, auf die möglichen Kosten und Provisionen bei Finanzierungsverträgen zu achten. Diese minimieren die versprochene Rendite häufig.

Das vernetzte Eigenheim

Das "Smart Home" dürfte den meisten mittlerweile ein Begriff sein: Heizung oder Beleuchtung können mit dem Smartphone ferngesteuert werden, auch beim Einbruchsschutz soll das digitalisierte Eigenheim helfen. Große Unternehmen haben schon die Multimedia-Ausstattung für Wohnungen im Angebot. Aber viele Verbraucher bleiben skeptisch: Sie sorgen sich um die Sicherheit ihrer Daten. Proptechs entwickeln das Smart Home derweil unbeirrt weiter. Ein neuer Trend sind Digitale Concierge Services, sagt Martin Rodeck. Der Innovationsbeauftragte des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) erklärt die Idee: "Nur durch eigene Sprachansagen kümmert sich der digitale Butler um Arzttermine, Essenslieferungen, Tischreservierungen sowie Veranstaltungstipps." Eine Weiterentwicklung der bekannten Sprachsteuerungen des Handys also. Aktuell seien die Systeme aber noch nicht so ausgereift, dass sie einen tatsächlichen Nutzen bringen, so Rodeck.

Bitcoin-Technik für Häuser

Blockchain, so heißt die Technik, auf der die Kryptowährung Bitcoin basiert. Während das Kunstgeld wohl eine Spekulationsblase bleibt, sind sich Experten einig: Blockchain wird den Alltag langfristig prägen - auch den Immobilienmarkt. Das Verschlüsselungssystem hilft, Daten digital, dezentral und fälschungssicher zu verwalten. Wird die Technik für den Massenmarkt tauglich, könnte Papier bei Hausverkäufen überflüssig werden - genauso wie der Notar. Auch für die Optimierung von Schließanlagen möchten Start-ups das Verfahren nutzen. Wie genau und wann? Das werden erst die nächsten Jahre zeigen.

Hilfe bei der Wohnungssuche

Bei der Partnersuche ist das Konzept seit Jahren etabliert. Auf Kuppelplattformen bastelt der Single den Entwurf seines Traummenschen. Alle, auf die die Beschreibung zutrifft, bekommen das Inserat angezeigt. Ein effizientes Konzept, merkten auch Gründer in der Immobilienbranche. Auf entsprechenden Plattformen konstruiert der Wohnungseigentümer seinen Wunschmieter, wählt also etwa eine Einkommensklasse aus. Mit Hilfe eines Algorithmus sollen Vermieter und Verkäufer zeitlich und finanziell effizienter an geeignete Kandidaten kommen. Zwar zahlen die Anbieter für jeden passenden Interessenten, den sie einladen, eine Gebühr. Das ist in vielen Fällen aber günstiger als der Lohn eines Maklers.

Den Wohnungssuchenden versprechen die Anbieter eine Zeitersparnis, da sie nicht an Besichtigungen teilnehmen, bei denen sie keine Aussicht auf Erfolg haben. Eine Gefahr besteht: Es könnte nur noch eine bestimmte Klientel angesprochen werden, und manche Biografien könnten im Vorfeld ausgeschlossen sein. Der Deutsche Mieterbund warnt zudem vor mangelndem Datenschutz. Bei manchen Portalen fallen außerdem Gebühren für die Suchenden an. Der Mieterbund zeigt sich in einer Stellungnahme kritisch: "Eine Abwälzung der Kosten auf den Mieter könnte immer gegen das Wohnungsvermittlungsgesetz, also das Bestellerprinzip, verstoßen."

Sparen mit Virtual Reality

Die Suche nach einer neuen Wohnung kann anstrengend sein. Besichtigungstermin nach der Arbeit, Besichtigungstermin am Samstagmorgen. Und dann sorgt auch noch der Makler für Stress - eine halbe Stunde, schon muss er zum nächsten Termin. Junge Anbieter wie All VR versprechen Abhilfe - mit Virtual-Reality-Brillen. "Die Interessenten können sich eine Wohnung anschauen, ohne vor Ort zu sein", sagt All-VR-Chef Boris Goldshteyn. Auch wenn die Immobilie noch unmöbliert sei, solle Virtual Reality eine mögliche Einrichtung simulieren.

Potenzial der Technik sieht Goldshteyn auch bei der Projektplanung. Die Kommunikation zwischen Bauherren, Investoren und Architekten könne vereinfacht werden. "Bislang läuft es so: Alle Parteien kommen zusammen, rollen einen Plan aus und diskutieren", sagt Goldshteyn. Mögliche Fehlplanungen seien im Zweidimensionalen nicht zu erkennen. Mit Virtual Reality können die Beteiligten regelmäßig von unterschiedlichen Orten aus zum aktuellen Stand der Planung konferieren. Durch die detaillierte Visualisierung können die Planer Problemstellen besser erkennen. Bei einem aufwendigen, mehrjährigen Bauprojekt kann die Technik eine finanzielle Ersparnis bringen.

Orientierung für Verbraucher

Mit Gründung der ersten Proptechs verkündeten einige Branchenbeobachter schon das Ende des klassischen Markts. Tatsächlich ist noch schwer zu sagen, welchen Einfluss die jungen Anbieter haben. Ständig kommen neue Gründer hinzu, andere verschwinden nach ein paar Monaten vom Markt. Von entscheidender Bedeutung wird sein, wie sich etablierte Firmen auf dem Immobilienmarkt gegenüber den Neulingen aufstellen. "Die Vorbehalte einiger Immobilienunternehmen, die keinen Mehrwert in der Digitalisierung sehen oder den Trend kleinreden, sind vielfältig", sagt Rodeck vom ZIA.

Der Branche gehe es finanziell gut. Das senke den Willen zur Innovation. Dennoch gibt es Beispiele für erfolgreiche Kooperationen. Einige Marktführer investieren derzeit nicht, weil sie müssen, sondern weil sie können. So hat die LEG Immobilien, eines der größten börsennotierten Wohnungsunternehmen, eine Kooperation mit dem Online-Anbieter Doozer vereinbart. Doozer hat eine Plattform geschaffen, auf der Aufträge für Handwerker einfacher vergeben werden können. Janis Beenen