Produkttest Der Sofortkredit der SEB Bank

"Fahren wie die Schweden, sparen wie die Deutschen. Sofortkredit schon ab 3,99% p.a. effektiv" sagt die Werbung. Doch damit fährt man ziemlich teuer.

Von Peter Lutzmann

So animiert eine Broschüre der schwedischen Großbank SEB Kunden in der Bundesrepublik zum Konsum auf Pump. Abgebildet ist ein Cabriolet der schwedischen Marke Saab in einer verschneiten Winterlandschaft.

Der Sofortkredit der schwedischen Bank SEB im Test.

(Foto: Grafik: sueddeutsche.de)

Und weiter heißt es da: "Erfüllen Sie sich Ihren Wunsch noch in diesem Jahr und sparen Sie die 3 % Mehrwertsteuer-Erhöhung." Offiziell erklärt die Bank dazu: Wer auf jeden Fall einen Ratenkredit aufnehmen will, um sich ein bestimmtes Produkt zu kaufen, spare die Mehrwertsteuer-Erhöhung ein, sofern er das Produkt 2006 mit 16 Prozent, statt 2007 mit 19 Prozent Mehrwertsteuer kauft.

So weit, so gut. Manchen Verbrauchern könnte der Werbespruch im Flyer zum "Sofortkredit" aber auch suggerieren, dass er viel Geld spart, wenn er noch heute schnell Schulden macht, um sich Konsumwünsche zu erfüllen, statt erst später mit gespartem Geld, wenn die Mehrwertsteuer 19 Prozent beträgt.

Drei Kredit-Optionen

In der Broschüre stehen drei "Kreditbeispiele", die den Kunden "Ihre Ersparnis in Euro" schmackhaft machen sollen: Wer einen Ratenkredit über 10.000 Euro bekommt, spart angeblich 316 Euro, wer sich 20.000 Euro borgt 631 Euro. Und wer gar 30.000 Euro aufnimmt, muss in diesem Jahr laut SEB bei Einkäufen 948 Euro weniger ausgeben.

Die Einsparung von beispielsweise 316 Euro für den 10.000-Euro-Kredit besteht nicht allein aus der Ersparnis durch die geringere Mehrwertsteuer 2006, wie der SEB-Kunde auf den ersten Blick meinen könnte. Diese würde nämlich nur 259 Euro betragen.

Gemäß dem Motto "Rechnen wie die Banker" addiert die SEB gleich 57 Euro "Ersparnis durch den geringeren Kreditbetrag" hinzu. Denn ein 2007 gekauftes Produkt würde dann 10.259 Euro statt 10.000 Euro kosten, und die Finanzierung würde damit 57 Euro teurer.

Die Raten der Kredite belaufen sich pro Monat auf 145,27 Euro, 290,54 Euro beziehungsweise 435,81 Euro. Nur der findige Bankkunde zückt die Lupe und schaut sich an, was im Kleingedruckten steht: "Für Laufzeiten von 84 Monaten, Effektivzins 5,99% p.a., bonitätsabhängig."

Kosten-Nutzen-Verhältnis 7:1

Das heißt konkret: Für die 10.000 Euro zahlt ein Bankkunde also 84 Monate - das heißt ganze sieben Jahre lang - 145,27 Euro monatlich. Macht insgesamt 12.202,68 Euro. Diese 2202,68 Euro Zinskosten sind rund siebenmal mehr als die 316 Euro, die der Kunde laut SEB einspart.

Auch in den anderen Rechenbeispielen mit 20.000 Euro und 30.000 Euro gilt das gleiche Verhältnis Zinskosten zu Mehrwertsteuer-Einsparung in Höhe von sieben zu eins. Hier zahlen die Kreditnehmer in 84 Monaten 4405,36 Euro beziehungsweise 6608,04 Euro Zinsen.

Fazit: Nur wegen der drohenden Mehrwertsteuer-Erhöhung einen Ratenkredit aufzunehmen, hat nichts mit "Sparen wie die Deutschen" zu tun. Die Rechenbeispiele beweisen, dass der Kunde vor allem bei lang laufenden Ratenkrediten kräftig draufzahlt.

Den plakativen Werbezins von 3,99 Prozent effektiv bekommen Kreditnehmer von der SEB in der Regel nur über 10.000 Euro und für die sehr kurze Laufzeit von zwölf Monaten. Die folglich hohen Monatsraten können aber vermutlich nur wenige Kunden aufbringen.