Private Krankenversicherungen Für ältere Menschen gibt es kaum Alternativen

Das Problem dabei ist: Menschen wie Winkler stecken fest. "Für ältere privat Versicherte mit Vorerkrankungen ist es kaum möglich, eine Alternative zu finden", sagt Verbraucherschützer Rudnik.

Beim Wechsel zu einem anderen privaten Anbieter wird erneut eine Gesundheitsprüfung fällig, Risikozuschläge drohen. Altersrückstellungen können gar nicht oder nur teilweise mitgenommen werden. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist oft schwierig - und ab 55 Jahren überhaupt nicht mehr möglich.

Was bleibt Menschen wie Winkler also übrig? Einen Weg gibt es aus der Teuerungsfalle. Kaum einer kennt ihn, nur wenige nutzen ihn: Privat Versicherte haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, in einen günstigeren Tarif ihrer Gesellschaft zu wechseln, wann immer sie möchten. Ohne Gesundheitsprüfung und ohne dabei die Altersrückstellungen zu verlieren.

Mit dem Wechsel können sich Verbraucher aus einem vergreisenden Tarif, in dem die Beiträge explodieren, in einen preiswerten retten. Und müssen sich nicht jedes Jahr vor dem Brief ängstigen, in dem steht, wie hoch die Zuschläge diesmal sind. Mehrere Hundert Euro Beitrag sparen Privatpatienten bei einem Wechsel im besten Fall jeden Monat.

Aber wieso tut es fast niemand? Ganz einfach: "Die Versicherer verschweigen ihren Kunden diese Rechte. Die haben kein Interesse daran, geringere Beiträge einzunehmen" sagt Pitzl. Um einen Tarifwechsel zu verhindern, informierten Unternehmen die Kunden entweder gar nicht oder sogar falsch, so der Experte.

"Ich wurde völlig unzureichend informiert"

Das bekam auch Winkler zu spüren: Niemand habe ihn je auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht, sagt der Rentner. Als er zufällig selbst darauf gestoßen sei und sich bei seiner Gesellschaft nach einem günstigeren Tarif erkundigt habe, sei man ihm ausgewichen: "Ich wurde völlig unzureichend informiert", sagt der 70-Jährige.

Ganz alleine ist es als Verbraucher daher kaum möglich, sich im Tarifdschungel zurechtzufinden. Winkler nahm sich also einen Honorarberater, bezahlte ihm ein paar Hundert Euro - und wechselte mit seiner Hilfe in einen Tarif, dessen Existenz seine Gesellschaft ihm vorenthalten hatte, wie der Rentner sagt.

Günstigere Tarife genau prüfen

Es gibt auch günstigere Beratungsmöglichkeiten für Wechselwillige: Bei Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest kosten die Tipps zwischen 15 und 40 Euro. Sie können helfen, ein paar Hundert Euro monatlich zu sparen.

"Verbraucher sollten sich aber nicht nur die Beitragshöhe, sondern auch die Leistungen der günstigeren Tarife sehr genau ansehen", warnt Rudnik vom BdV. Andernfalls blieben sie womöglich beim nächsten Krankenhausaufenthalt ungewollt auf Kosten sitzen, weil der Selbstbehalt zu hoch angesetzt war.

Vor einer Gefahr können aber auch Verbraucherschützer die wechselnden privat Versicherten nicht bewahren: Davor, dass der Tarif erneut geschlossen wird - und die Prämien wieder steigen. So erging es auch Winkler. Zwar hatte er ein paar Jahre lang seine Ruhe. Dann bekam er wieder Briefe mit Zahlen zugesandt, bei denen ihm der Atem stockte.