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Private Equity:Das große Krabbeln

Als Heuschrecken verrufen, als knallharte Sanierer gefürchtet: Wie und wo Private-Equity-Unternehmen den deutschen Markt aufmischen. In Bildern.

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Capri-Sonne, Foto: dpa

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Im Januar verkaufte der Getränke- und Aromahersteller Wild ("Capri-Sonne") Teile des Familienbesitzes an den US-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR). KKR zählt - wie Blackstone und Permira - zu den großen internationalen Spielern. Der Deal stellt eine seltene Ausnahme für eine Private-Equity-Übernahme dar: Der Kauf wurde von KKR fast komplett mit Eigenkapital gestemmt.

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Kion, Foto: Kion

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Die einstige Staplersparte vom Gasekonzern Linde wurde 2007 ausgegliedert und an KKR und Goldman Sachs veräußert, die das Geschäft unter der Marke Kion weiterbetrieben. Zahlreiche weitere Unternehmen hatten um den Spartenverkauf gebuhlt. KKR und Goldman dürfte die Zusicherung geholfen haben, an allen Vereinbarungen zur Standortsicherung festzuhalten, die der Linde-Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern geschlossen hatte. Und das hohe Übernahmeangebot: rund vier Milliarden Euro zahlte das Konsortium.

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Rodenstock, Foto: dpa

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Beim Brillen-Hersteller Rodenstock haben sich Private-Equity-Unternehmen in der Vergangenheit die Klinke in die Hand gegeben. 2003 stieg Permira ein und unterzog den Konzern einer umfassenden Umstrukturierung: So wurden die Forschungsausgaben aufgestockt, um den Konzern international wettbewerbsfähig zu machen. Die Amerikaner verkauften ihre Anteile 2006 an den Investor Bridgepoint, der das Unternehmen auf Börsenkurs bringen will: "Wir wollen in drei bis fünf Jahren einen schönen MDax-Wert aus Rodenstock machen", hieß es 2007.

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Kabel Deutschland, Foto: ddp

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Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland wurde 2003 an Apax Partners, Providence Equity Partners und Goldman Sachs Capital Partners veräußert. 2006 übernahm Providence die Anteile der Partnerunternehmen und wurde zum Haupteigner. Kabel Deutschland ging kürzlich an die Börse.

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Grohe, Foto: dpa

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Kaum eine andere Übernahme hat das Bild von Private-Equity-Unternehmen derart geprägt, wie der Aufkauf von Grohe. Der Amaturenhersteller schien Ende der neunziger Jahre ein prosperierender Konzern: Der Umsatz wuchs seit Jahren kontinuierlich, das Exportgeschäft war stark und die Produkte mehrfach preisgekrönt. Mit dem Einstieg von BC Partners und dem späteren Weiterverkauf an Texas Pacific und CSFB Private Equity wurde dem Unternehmen Milliardenschulden aufgedrückt und Hunderte Mitarbeiter entlassen. Immerhin: Heute ist das Unternehmen wieder erfolgreich und die Zahl der Mitarbeiter nahe am Niveau vor Einstieg der Investoren.

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Bundesdruckerei, Foto: Bundesdruckerei GmbH

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Die Bundesdruckerei war ein profitables Unternehmen - bis die Bundesregierung sich entschloss, die Berliner über den Finanzinvestor Apax an den freien Markt zu bringen. Das ging schief: Als Hausdruckerei der Regierung war man nicht auf den Konkurrenzdruck des Marktes eingestellt. Nur zwei Jahre später kaufte der Bund die Druckerei für den symbolischen Betrag von einem Euro zurück - hochverschuldet.

Foto: Bundesdruckerei GmbH

Wincor Nixdorf, Foto: dpa

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Der Verkauf des Geldautomaten-Konzerns Wincor Nixdorf ist eine Erfolgsgeschichte: Die frühere Siemens-Tochter wurde 1999 an KKR und Goldman Sachs für 1,4 Milliarden Mark verkauft und auf Wachstumskurs gebracht. Umsatz und Gewinn stiegen seitdem stetig und dem Unternehmen gelang es, zum europäischen Marktführer aufzusteigen. Durch die Erweiterung der internationalen Aktivitäten und den Ausbau des Dienstleistungssektors wurde die Anzahl der Mitarbeiter nahezu verdoppelt.

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Kuka, Foto: dpa

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Als der Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte 2003 beim Maschinenbauer Kuka einstieg, begannen die Probleme: Die Amerikaner wollten das Unternehmen neu ausrichten, ausschließlich auf die Robotersparte setzen und alle anderen Geschäftsfelder streichen. Anfang 2009 stieg der mittelständische Maschinenbauer Grenzebach als neuer Großaktionär bei Kuka ein und verlangte das Gegenteil: Mehr Diversifizierung. Wenn zwei sich streiten, weint der Dritte: Der Aktienkurs ist auf dem Niveau von 2003 angelangt und ob sich das Unternehmen jemals wieder berappeln wird, steht in den Sternen.

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Gagfah, Foto: AP

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Das ehemalige Staatsunternehmen Gagfah ging 2004 für 3,5 Milliarden Euro an den US-Investor Fortress. Das Unternehmen ist mit rund 170.000 Mietwohnungen und weiteren 20.000 für Dritte verwalteten Wohnungen der größte an der Börse notierte Immobilienkonzern Deutschlands. So weit, so groß: Mieter klagen über katastrophale Wohnbedingungen. Um die Anleger bei Laune zu halten, macht Fortress bei den Mietern ordentlich Kasse und geizt mit Sanierungsinvestitionen.

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Raststätte, Foto: Tank & Rast

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Nur wenige Jahre vor seiner "Heuschrecken"-Schelte schien Franz Müntefering keinerlei Berührungsängste mit Private-Equity-Häusern zu haben. Als damaliger Bundesverkehrsminister verkaufte Müntefering den Raststätten-Betreiber Tank & Rast an den Finanzinvestor Apax und die Allianz-Tochter Capital Partners. Die 1,2-Milliarden-Mark-Investition zahlte sich aus: Sechs Jahre später ging das Unternehmen für mehr als eine Milliarde Euro an Terra Firma - ebenfalls ein Private-Equity-Haus.

Foto: Tank & Rast

Deutsche Börse, Foto: AP

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Bei der Deutschen Börse sorgte einige Jahre lang der Hedgefonds mit dem unschuldige Namen The Children's Investment Fund (TCI) und der Partner-Fonds Atticus für Furore. Die beiden hielten sich während ihres Engagements mit Eingriffen in das operative Geschäft nicht zurück, verhinderten die Übernahme der Londoner Börse durch die Frankfurter und zwangen schlussendlich den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert zum Rücktritt. Durch die Finanzkrise geschwächt, zogen sich die beiden, von einer unerheblichen Minderheitsbeteiligung abgesehen, aus dem Konzern zurück.

Foto: AP sueddeutsche.de/jcb/mel

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