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Preise von Heizöl:Billig zu verheizen

Demand For Heating Oil Remains Strong

Viele Jahre galt: Wer sparen will, sollte sein Heizöl im Sommer kommen lassen. Die volatilen Rohstoffmärkte haben dieser Regel ein Ende bereitet. Günstig Nachtanken ist inzwischen fast zum Glücksspiel geworden.

(Foto: Getty Images)

Wer einen Öltank hat, sollte nicht mehr lang überlegen: Kurz vor Wintereinbruch ist Heizöl relativ günstig zu haben. Was Hausbesitzer neben dem richtigen Zeitpunkt noch beachten sollten.

Ein Öltank im Keller macht den Hausbesitzer zwangsläufig zum Rohstoff-Spekulanten: Sinken die Preise noch, oder soll ich schon den Lieferanten bestellen? Lohnt es sich, den Tank bis zum Rand zu füllen, oder kaufe ich nur genug, um den Winter zu überstehen - und kaufe im Frühjahr nach?

Doch in diesem Herbst, das sagen zumindest Experten, ist alles Spekulieren überflüssig. Wer einen leeren Öltank hat, sollte nicht mehr lang überlegen. Die Heizölpreise sind in den vergangenen vier Wochen überraschend deutlich gesunken und liegen derzeit um rund zehn Cent je Liter unter dem Preis des Vorjahres, wie Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, erläutert.

Sein Tipp: Die Preisdelle nutzen und zugreifen. Ein Liter Heizöl koste zum Beispiel in Oberbayern momentan zwischen 84 und 86 Cent, bei Abnahme von 3000 Litern, sagt Markus Brunner, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Brennstoff- und Mineralölhandels (BBMV). Der schwache Dollar-Kurs mache es möglich. Sehr viel billiger wird's in dieser Heizperiode bestimmt nicht mehr.

Mit sinkenden Temperaturen zieht erfahrungsgemäß der Preis deutlich an, wie Oliver Klapschus vom Online-Portal Heizöl24 bestätigt. Einen günstigen Termin zum Nachtanken zu erwischen sei die beste Möglichkeit, die davon galoppierenden Energiekosten einigermaßen im Griff zu behalten. Pech gehabt, wer beispielsweise vor einem Jahr seinen Tank noch zum Hochpreisniveau auf einen Schlag randvoll gemacht hat. Zur Orientierung: Mit 3000 Litern kann ein Einfamilienhaus etwa zwei Jahre lang beheizt werden.

Der beste Kauftermin sei in Zeiten stark schwankender Rohstoffmärkte nicht mehr wirklich kalkulierbar, hat auch Brunner beobachtet. Günstig Heizöl nachtanken ist zum Glücksspiel geworden. Früher orderten clevere Hausbesitzer stets im Sommer nach. Da gab es kaum Nachfrage und die Preise waren garantiert besser.

Der Trick klappt heute nicht mehr. Diesen August war Heizöl sogar etwa ein, zwei Cent teurer als derzeit. "Wir empfehlen Eigentümern, die Preisentwicklung stets im Auge zu haben und das Nachtanken möglichst auf zwei Mal im Jahr zu verteilen", sagt Brunner. Wer die Zeit kurz vor der Heizsaison abpasst sowie den April, fährt nach seinen Erfahrungen oft am preiswertesten. Dieses Jahr im April lag der Literpreis beispielsweise bei 80 Cent und markierte den tiefsten Stand seit 1,5 Jahren.

Wie man beim Tanken spart

Ein paar weitere Tipps zum Sparen beim Tanken:

Bessere Qualität

Ähnlich wie an der Tankstelle haben Kunden mittlerweile die Wahl zwischen verschiedenen Heizöl-Sorten. Meist sind drei im Angebot. Nur: kaum jemand weiß das. Anstelle des Standard-Öls sollten Käufer lieber das neue schwefelarme Öl ordern, empfiehlt Brunner. Das Neue wird zum gleichen Preis abgegeben, ist jedoch deutlich umweltfreundlicher. Sein Schwefelgehalt darf höchstens 50 Milligramm pro Kilogramm betragen. Standardheizöl enthält dagegen bis zu 1000 Milligramm Schwefel pro Kilo Heizöl.

Das Neue verbrennt sauberer, hinterlässt weniger Rückstände im Tank und drückt den Verbrauch - bestenfalls um stolze 10 Prozent. In der Folge muss die Heizung weniger gewartet werden. Wer noch Standard-Restbestände im Tank hat, kann problemlos Schwefelarmes dazugeben, versichert Fachmann Brunner. Die beste Sorte, also das Premium-Heizöl, kostet etwa ein Prozent mehr als das Standard-Öl. Dieses Super-Heizöl optimiert die Verbrennung und drückt den Verbrauch noch weiter nach unten, und zwar bestenfalls um weitere sechs Prozent.

Sammelbestellung aufgeben

Heizölkäufer können sich mit Nachbarn zu privaten Einkaufsgemeinschaften beim örtlichen Lieferanten zusammentun. Rabattpotenzial: um die 3 Prozent, je nach Menge und Anfahrtsweg, hat der Bund der Energieverbraucher berechnet. Das kann 60 Euro Entlastung und mehr für den einzelnen Geldbeutel ausmachen. Aber: Wer die Bestellung organisiert, trägt ein finanzielles Risiko. Springt ein Nachbar ab oder zahlt nicht, ist der Auftraggeber in der Haftung - und bleibt auf dessen Kosten sitzen.

Zuschlag vermeiden

Pro Abladestelle muss der Käufer häufig einen Gefahrengut-Zuschlag zahlen. Das kann Extra-Kosten zwischen 12 und 22 Euro bedeuten. Auf diesen Posten achtet jedoch kaum jemand. Ein Fehler. Denn es gibt viele Händler, die inzwischen darauf verzichten. "Statt beim Ölpreis um die zweite Stelle hinterm Komma zu feilschen, sollten Kunden lieber beim Gefahrengut-Zuschlag ansetzen", rät Klapschus.

Online-Pools nutzen

Ähnlich wie in der Schweiz gibt es auch in Deutschland Einkaufspools via Internet, etwa über www.heizoelpool.de oder www.heizoel-sammelbestellung.de. Interessenten können dort unter anderem abfragen, ob es weitere Käufer in der eigenen Wohnregion gibt. Wenn ja, sucht der Anbieter für alle nach einem günstigen Händler. Rabattchancen: Bis zu 3 Prozent. Das finanzielle Risiko eines Teilnehmers gehe dabei gegen null, sagt Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Chance für Mieter

Vermieter sind nicht verpflichtet, den günstigsten Zeitpunkt zum Nachkauf von Heizöl abzupassen. Sie müssen allerdings wirtschaftlich handeln, wie Dietmar Wall vom Deutschen Mieterbund erläutert. Sein Tipp: Mieter könnten ruhig einmal anregen, dass sich der Hausbesitzer Sammelbestellungen anschließt. Ein Anspruch darauf besteht aber nicht.

© SZ vom 10.10.2013

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