Portrait Strauss-Kahn Vom Elysée-Palast und Hotelzimmern

Strauss-Kahn galt nach Mitterand als einer der talentiertesten Politiker Frankreichs. Als IWF-Chef ist er einer der mächtigsten Männer der Welt, 2012 hätte er Sarkozy aus dem Elysee fegen können. Nun ist er vielleicht über sich selbst gestolpert. Privat, nicht politisch. Nicht zum ersten Mal. Ein Portrait.

Dominique Strauss-Kahn ist ein Ausnahmepolitiker. Nicht nur für französische Verhältnisse. Er ist einer der wenigen Franzosen, deren Wort nach dem Zusammenbruch des Merkantilismus, dem Verebben der Französischen Revolution, des Widerstandgeistes eines Charles de Gaulles, noch Strahlkraft hat. Und all das ist lange her. Lange, lange her. DSK ist mit seinen weißen Haaren und seinem markanten schwarzen Augenbrauen ein Mann, der Charisma, Libertinage, selbstbewusstes Bürgertum, linkes Gedankengut und den Einsatz für eine bessere Welt glaubwürdig in seiner Person vereinen konnte. Dachte man.

Dominique Strauss-Kahn: Endet seine Karriere in einem Hotelzimmer?

(Foto: AP)

In Frankreich wurde DSK als Charmeur und von vielen auch als Frauenheld wahrgenommen. Doch ein Vergewaltigungsversuch? Das übertrifft die kühnsten Vorstellungen. Gerade sein staatsmännisches Auftreten hat dem Sozialisten bis heute so viele Sympathien eingebracht. Für die Franzosen ist der geistreiche und auf dem internationalen Parkett gewandte Landsmann ein klarer Gegenpol zu Sarkozy.

Dabei ist auch Strauss-Kahn bourgeois durch und durch. Eine besondere Art des Salon-Sozialisten, die, nun ja, nicht nur in Frankreich, aber dort eben besonders häufig anzutreffen sind. Strauss-Kahn wurde am 25. April 1949 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren, als Kind einer im Elsass verwurzelten Familie. Seine Mutter arbeitete als Journalistin für eine sozialistische Zeitung. Die ersten zehn Lebensjahre verbrachte er mit seiner Familie in Marokko, dann in Monaco. Dank eines deutschen Kindermädchens spricht er fließend Deutsch.

Diverse Affären

Zunächst machte er als Jurist und Wirtschaftswissenschaftler Karriere und unterrichtete unter anderem an der französischen Elite-Verwaltungsschule ENA. 1986 wurde er zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Und galt schnell als Architekt der Wirtschaftspolitik, die die französischen Sozialisten 1997 an die Macht brachte. Er selbst wurde "Superminister" für Wirtschaft und Finanzen. In dieser Funktion bereitete DSK Frankreich auf den Euro vor, privatisierte Staatsunternehmen, brachte das Haushaltsdefizit unter den Schwellenwert von drei Prozent und rief ein Programm zur Schaffung von 350.000 Arbeitsplätzen ins Leben.

Aber bereits 1999 stolperte der Wirtschaftsfachmann, der von 1993 bis 1997 Industrie- und Außenhandelsminister war, über eine Affäre um angeblich unzulässige Honorar- und Gehaltszahlungen.

Als die Justiz ihn zwei Jahre später von den Vorwürfen reinwusch, setzte er sich ein neues Ziel: das Amt des Staatschefs. Doch die Sozialisten entschieden sich 2006 für die unkonventionelle Ségolène Royal. Die aber konnte sich schließlich nicht gegen Sarkozy durchsetzen. Und der konservative Sieger hebt Strauss-Kahn auf den IWF-Posten. DSK nahm die Aufgabe an.

Hätte, wäre, könnte

DSK ist ein Roter, und doch Chef einer Weltorganisation, die den Kapitalismus überlebensfähig machen soll. Seit dreieinhalb Jahren steht er nun an der Spitze des IWF - und krempelte die Institution kräftig um. Selbst Kritiker bescheinigen dem 62-jährigen, den IWF auf die Erfordernisse der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ausgerichtet zu haben.

Doch schon bei seinem Amtsantritt im November 2007 wurde spekuliert, ob er den Posten in Washington als Sprungbrett für einen neuen Versuch bei den französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr nutzen wolle. Im Falle einer Kandidatur hätte er Nicolas Sarkozy aus dem Elysée-Palast fegen können.

Hätte, wäre, könnte. Sein Weg in den Amtssitz des Präsidenten endet nun wohl in einem Hotelzimmer.

Vor drei Jahren geriet Strauss-Kahn abermals in Verruf. Diesmal als IWF-Chef, wegen einer Affäre mit einer Mitarbeiterin. Nicht immer eine gute Sache, sich mit Mitarbeiterinnen einzulassen. Eine interne Untersuchung des IWF kam allerdings zu dem Schluss, dass es weder eine sexuelle Belästigung noch eine Begünstigung gegeben habe. Der IWF-Vorstand bezeichnete das Verhalten des Chefs damals als "bedauerlich", befand aber, die Beziehung habe auf gegenseitigem Einverständnis beruht.

Strauss-Kahn handelte kühl, aber professionell: Er entschuldigte sich damals in einer E-Mail an alle IWF-Mitarbeiter für sein Verhalten. "Dieser Vorfall ist eine schwere Fehleinschätzung meinerseits, für die ich die volle Verantwortung übernehme", schrieb er. "Zugleich bin ich der festen Überzeugung, dass ich meine Position nicht missbraucht habe." Die Mitarbeiterin, mit der Strauss-Kahn eine Affäre hatte, verließ den IWF und trat eine Stelle bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an.

Selbst seine Ehefrau, die gebürtige New Yorkerin Anne Sinclair, die in den 1980er Jahren eine beliebte wöchentliche Nachrichtensendung in Frankreich moderierte, blieb trotz des Seitensprungs bei ihm. Sie ist die dritte Partnerin, mit der Strauss-Kahn verheiratet ist. Aus den vorherigen Ehen hat er vier Kinder.

Kürzlich kamen weitere Details seines Privatlebens ans Tageslicht, die den potenziellen Führer der Sozialisten nicht gerade als Mann des Volkes erscheinen lassen. So soll er laut France-Soir seine Anzüge beim selben Schneider nähen lassen, wie US-Präsident Barack Obama - für einen Preis ab 7000 Euro das Stück. Auch die Luxuswohnungen in Paris und die Villa in Marokko wurden zum Thema.

Und in der vergangenen Woche sorgte ein Foto für Aufregung, das ihn und Sinclair zeigt, wie sie gerade in den Porsche Panamera des Chefs seines PR-Teams einsteigen. Der IWF-Chef rückt sich damit selbst in die Nähe von Sarkozy, der vor allem am Anfang seiner Amtszeit wegen seines üppigen Lebensstils kritisiert wurde.

Als DSK Hobbys gelten Klavierspielen und Kino. Mag sein, dass er für beide Interessen bald viel Zeit haben wird.

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