Polygamie Vielweiberei rechnet sich nicht

Ist Heiraten eigentlich ökonomisch sinnvoll? Interessant wird diese Frage vor allem, wenn man die Vielehe betrachtet. Warum Vielweiberei nicht nur Männer viel Geld kosten würde und eine Polygamie-Steuer am Ende wohl unvermeidlich wäre.

Von Mario Lochner

In den USA wird derzeit viel über die Ehe diskutiert. Der Anlass: Seit vergangenem Sonntag dürfen Homosexuelle auch im Bundesstaat New York heiraten. Hunderte nutzten die Gelegenheit gleich zum erstmöglichen Zeitpunkt und Bürgermeister Michael Bloomberg stellte dafür sogar spontan seinen Amtssitz zur Verfügung.

Eine Massenhochzeit in den Niederlanden.

(Foto: dpa)

Kaum ist die Homo-Ehe erlaubt, gibt es eine kuriose Debatte, welches gesellschaftliche Tabu als nächstes fällt. Der Anwalt Jonathan Turley hat sich auf die Seite der Polygamisten geschlagen. In einem Beitrag in der New York Times kritisiert Turley, dass die Vielehe strafrechtlich verfolgt wird und fordert, sie nicht länger als kriminell anzusehen.

Wie viele Frauen ein Mann offiziell haben darf, ist eine heikle Frage. Natürlich gilt dasselbe auch umgekehrt für die Vielmännerei, die sogenannte Polyandrie - allerdings ist sie noch seltener. In beiden Fällen stellt sich jedoch eine ökonomisch durchaus interessante Frage: Wie viel würde das eigentlich kosten? Damit hat sich der Economist in einem nicht ganz ernst gemeinten Beitrag beschäftigt.

Das Prinzip der Ehe basiert ja darauf, dass beide Partner gleichberechtigt sind. Und dazu gehören auch finanzielle Fragen wie Sozial- und Krankenversicherung. Übertragen auf die Polygamie, kommt der Economist zu einem einfachen Schluss: ein finanzieller Albtraum.

Davon abgesehen, dass manche Männer sich nicht einmal eine Frau leisten können, dürfte Polygamie richtig teuer werden. Angenommen der Mann kümmert sich anständig um jede Geliebte, schenkt ihr auch mal Blumen oder bezahlt das Essen. Dann ist die Vielweiberei einfache Mathematik: Die Kosten steigen linear zu der Größe des Harems. Also: Je mehr Frauen, desto leerer der Geldbeutel.

Kein Wunder, dass sich anscheinend nur Millionäre gleich mehrere Frauen leisten können. Darauf weist beispielsweise der Ökonom Gary Becker in seinem Werk "A Theory of Marriage" (PDF) hin. In polygamen Kulturen käme die Vielehe demnach vor allem für reiche Männer in Frage.

Wie soll ein Mann Job und Frauen unter einen Hut bringen?

Bei einer ökonomischen Analyse spielt auch die Zeit eine Rolle. Wie soll ein Mann denn Job und mehrere Frauen auf die Reihe kriegen? Die Opportunitätskosten wären ziemlich hoch: Mit jeder zusätzlichen Frau hat der Mann weniger Zeit, um Geld zu verdienen. Und genau das bräuchte er ja wiederum dringend, um seine vielen Ehen zu bezahlen.

Für Männer scheint die Vielweiberei der finanzielle Tod zu sein. Aber wie sieht es bei den Frauen aus? Der Economist kommt zu dem Schluss, dass sie zumindest bei der Partnerwahl Vorteile hätten. Schließlich wäre ja praktisch jeder Mann zu haben und Frauen müssten sich nie wieder darum scheren, ob er denn schon verheiratet ist.

Die hohe Kunst der Polygamie könnte sich für die Frau rechnen. Aber ist sie erst einmal im Harem angekommen, dreht sich der Spieß plötzlich um. Eine Konkurrentin nach der nächsten - und es gibt ja nicht einmal ein Limit. Mit jeder zusätzlichen Frau sinkt die Verhandlungsmacht der Damen. Schließlich ist der Pascha als einziger Mann ein Unikat in der Familie.

Also am Ende ein Verlustgeschäft für beide? Der Mann hat kein Geld mehr auf dem Konto und die Frau verzweifelt an der weiblichen Konkurrenz?

Wirtschaftlich sinnvoll sind Vielehen wohl nicht. Von moralischen Aspekten ganz abgesehen, bleibt eine Frage: Wie würde sich Polygamie auf die Geburtenrate auswirken? Wahrscheinlich recht ordentlich. Die vielen Kinder, das zeigen statistische Erfahrungen, würden den Staat viel Geld kosten.

Der Economist kommt deshalb zu dem Fazit, dass Polygamie letztlich zu einer Steuer führen würde - beispielsweise eine "Luxussteuer" für jeden zusätzlichen Partner. Und dann würde es noch teurer werden.