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Politischer Einfluss auf Notenbanken:Neue Bandbreiten für den Euro-Kurs

Tatsächlich übernehmen die Zentralbanken seit Ausbruch der Finanzkrise immer mehr Aufgaben der Politik, die günstigen Zinsen und die Ausweitungen der Liquidität sollten Staaten und Banken Zeit geben, ihre Kreditrisiken in den Griff zu bekommen. Weil dies häufig nicht oder nicht so schnell klappt wie erhofft, werden die Zentralbanken für immer mehr Aufgaben verantwortlich gemacht, eben auch für die Wechselkurse.

Ob diese durch die variablere Geldpolitik nun wirklich besser zu steuern sind als früher, bleibt abzuwarten. Commerzbank-Mann Krämer ist skeptisch, Experte Hellmeyer dagegen sieht längst ein informelles Wiederaufleben eines alten Währungsregimes, der sogenannten Währungsschlange.

Der Ausgang des währungspolitischen Experiments ist offen

Vor der Euro-Einführung wurden die nationalen Währungen durch Eingriffe der Notenbanken in bestimmten Bandbreiten einander angenähert. In diesem Stil, meint Hellmeyer, "werden die Zentralbanken in Absprache mit der Politik versuchen, den Eurokurs in neue Bandbreiten zwischen 1,20 und 1,30 Dollar" zu führen. Kurse darüber, wie sie bis vor kurzem vorherrschten, machten insbesondere den Industrien in südeuropäischen Ländern zu sehr schaffen.

Ob ein solches währungspolitisches Experiment sich durchsetzt und wie es ausgeht, ist völlig offen. Fest steht: Nur wenige Zentralbanken können den Außenwert von Währungen überhaupt dauerhaft beeinflussen, weil die Länder über die ökonomische Macht oder über große Devisenreserven verfügen, um die Wunschkurse auch zu verteidigen. Dazu gehören neben der EZB die US-Fed oder die Bank of China, deren Yuan ohnehin noch politisch stark reguliert ist.

Eine Steuerung von Wechselkursen birgt in jedem Fall Risiken. In Großbritannien etwa war die Währungsschlange lange vor dem Euro gescheitert. Einem spekulativen Angriff aufs Pfund 1992 hielt die Bank of England nicht Stand. Die Briten mussten das Währungssystem verlassen.