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Politischer Einfluss auf Notenbanken:Aktivistische Notenbanken

"Die EZB hat die Bilanzsumme seit 2011 um gut ein Drittel reduziert. Erst mit dem jüngst diskutierten Aufkaufprogramm würde sich das signifikant ändern", erklärt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Ein Absacken des Eurokurses unter die Ein-Dollar-Marke hält er deshalb für unrealistisch - und politisch auch nicht gewollt.

Nicht dass die Politik offiziell etwas zu schaffen hat mit der Geldpolitik. Die Zentralbanken sind formal unabhängige Institutionen. Aber: "Wir haben heute aktivistischere und politiknähere Notenbanken, die versuchen, die Konjunktur mitzubestimmen", erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

"Der politische Einfluss hat stark zugenommen"

Der Begriff des "Wechselkurs-Managements" sei längst keine Geheimformel mehr, sondern eher übliches Thema bei hochrangigen Treffen zwischen Finanzministern und Zentralbankern, so Hellmeyer: "Der politische Einfluss auf die EZB hat stark zugenommen." Solange die meisten Währungshüter in dieselbe Richtung liefen, also Zinsen senkten und mehr oder weniger viel Geld druckten, fiel dies nicht weiter auf. Die Wechselkurs-Schwankungen hielten sich in Grenzen.

Wer am meisten Liquidität schuf und die geringsten Zinsen bot, hatte in der Regel die billigste Währung. Teils herrschte ein regelrechter Abwertungswettlauf. Die EZB blieb lange vergleichsweise zurückhaltend, entsprechend stabil zeigte sich der Euro zu anderen Währungen, mehr noch, er wurde stärker. Die Exportindustrie stöhnte, weil sie um ihre Wettbewerbsfähigkeit fürchtete. Und Briten, Amerikaner, Japaner und andere freuten sich, konnten sie doch ihre Waren am Weltmarkt billiger anbieten als die Europäer.

"Langfristig bringt so ein Abwertungswettlauf aber nichts" meint Chefvolkswirt Krämer und betont die Risiken, sich damit "Inflation einzukaufen". Zwar werden die Exporte günstiger, wenn die Währung an Wert einbüßt, aber eben auch die Importe teurer, für manche Länder sehr teuer, wie etwa Argentinien, Japan oder auch Russland vor Putins Gegensanktionen an den Westen feststellen mussten. Aus demselben Grund kommt nach der jüngsten Euro-Abwertung auch der Preisverfall bei Öl und anderen Rohstoffen in der Eurozone nur sehr abgeschwächt an.