Süddeutsche Zeitung

Policen für den Urlaub:Sommer, Sonne, Versicherung

Krankheit, Unfall, Einbruch: Bevor es in den Urlaub geht, lohnt ein Blick auf die Versicherungspolicen. Denn wenn unterwegs etwas passiert, ist das nicht nur unangenehm - es kann auch richtig teuer werden.

Die schönste Zeit des Jahres, sie ist greifbar nah: Sommerferien! Wenn dann alle Zeugnisse verteilt, die Tränen getrocknet sind oder der Jubel verklungen ist, setzt sich die Reisekarawane in Bewegung. Bevor aber alles an den Strand, in die Berge oder aufs Land drängt, lohnt ein Blick in den Aktenordner. Denn wenn unterwegs etwas passiert, ist das nicht nur unangenehm - es kann auch richtig teuer werden. Gut beraten ist deshalb, wer mit den richtigen Versicherungen auf Reisen geht.

Krankheit

Ein Unfall oder eine Erkrankung im Urlaub ist schon misslich. Richtig unangenehm wird es aber, wenn dann hinterher auch noch hohe Arztrechnungen auflaufen, sich die Krankenkasse aber weigert zu bezahlen. Davor schützt eine Auslandsreise-Krankenversicherung. "Diese Police ist Standard und sollte immer dabei sein", rät Gerald Archangeli, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute.

Zwar übernehmen die gesetzlichen Kassen in Deutschland für die meisten europäischen Länder über das Sozialversicherungsabkommen die Behandlung. Allerdings zahlen sie nur den in Deutschland vorgesehenen Satz. Übersteigt die Rechnung diesen - was etwa bei einer Behandlung in der Schweiz schnell passiert -, bleibt der Versicherte auf den Restkosten sitzen. Für Länder, die das Abkommen nicht abdeckt, wird gar nichts bezahlt. Und bei Ländern, für die das Abkommen nicht gilt, zahlt die Kasse auch nichts.

In beiden Fällen springt die Auslandsreise-Krankenversicherung ein. "Aber man muss darauf achten, dass der Urlaub nicht länger dauert, als der Versicherungsschutz gilt", warnt Archangeli. Viele Anbieter begrenzen den Schutz auf sechs Wochen am Stück. Mehrere längere Urlaube innerhalb eines Jahres sind dagegen oft kein Problem. "Außerdem bezahlt eine Police mit guten Bedingungen einen Rücktransport auch dann, wenn er vielleicht nicht unbedingt nötig, aber sinnvoll ist", sagt Versicherungsexpertin Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. In der Regel kostet solch eine Police etwa zehn Euro pro Jahr.

Reiserücktritt

Ob sich ein finanzieller Schutz für den Fall lohnt, dass man den Urlaub gar nicht antreten kann, hängt dagegen vom Einzelfall ab. "Wenn es ein sehr teurer Urlaub wird, ist es sinnvoll", sagt Becker-Eiselen. "Außerdem sollten Familien mit Kindern so eine Versicherung abschließen." Denn die Kleinen erkranken häufiger und heftiger als die Großen - und dann muss die ganze Familie daheimbleiben.

Allerdings zahlen Reiserücktritts-Versicherungen immer nur für unerwartete Erkrankungen. "Menschen mit chronischen Leiden sollten sich die Reisefähigkeit deshalb vorab von ihrem Arzt bestätigen lassen", rät die Verbraucherschützerin. Außerdem sollte auch immer ein Reiseabbruch-Schutz mit abgeschlossen werden. So hält sich der Schaden auch dann in Grenzen, wenn man den Urlaubsort krankheitsbedingt früher wieder verlassen muss.

Unfall

Von einem gesonderten Unfallschutz nur für den Urlaub raten die Experten dagegen ab. "Gegen schlimme Unfälle und ihre Folgen sollte man am besten mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert sein", sagt Becker-Eiselen.

Darüber hinaus können sich Verbraucher generell darüber Gedanken machen, ob sie sich gegen die Folgen eines schweren Unfalls in der Freizeit schützen wollen. Eine solche Police kann im Ernstfall einerseits das nötige Kapital liefern, um bei Invalidität nötige Umbauten an Wohnung und Auto zu finanzieren. Hierfür sollte der Vertrag nicht weniger als 100 000 Euro bereitstellen. Darüber hinaus kann auch eine monatliche Rente vereinbart werden, die zahlt, wenn der Kunde nach einem Unfall gar nicht oder nicht mehr voll in seinem Beruf arbeiten kann. "Einen guten Basisschutz mit Rente und Invaliditätskapital, aber ohne unnötige Zusatzleistungen wie Krankenhaustagegeld, gibt es ab etwa 100 Euro im Jahr", sagt Archangeli.

Gepäck, Handy, Rechtsschutz, Einbruch

Gepäck und Handy

Ein Schutz für Taschen und Koffer oder das Mobiltelefon ist dagegen "eigentlich nie nötig", sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen. "Solche Policen sind in der Branche immer wieder umstritten und sorgen oft für Ärger", erklärt auch Archangeli. Denn sie ersetzen stets nur den Zeitwert, also den Wert der verlorenen oder gestohlenen Habseligkeiten zum jeweiligen Zeitpunkt. Der liegt gerade bei Kleidung und Elektronik aber weit unter dem Neupreis. Zudem sind etwa Flugreisende ohnehin versichert, wenn ihr Gepäck in der Obhut einer Fluggesellschaft verschwindet. Allerdings werden hier nur Schäden bis zu maximal 1213 Euro ersetzt.

Am Strand lauern dann die Feinde moderner Elektronik: Wasser und Sand. Außerdem verschwinden von Liegen und Handtüchern häufig wertvolle Habseligkeiten wie das Smartphone. Dennoch rät Archangeli klar von einer Handy-Versicherung ab: "Das lohnt sich generell nicht - und schon gar nicht nur für den Urlaub." Denn solche Policen versichern ebenfalls stets nur den Zeitwert des Mobiltelefons - und der sinkt angesichts schneller Innovationen schon wenige Monate nach dem Kauf rapide. "Außerdem geht es hier ja nicht um Werte, die einen im Schadensfall in den Ruin treiben", sagt Becker-Eiselen.

Wer in den Urlaub fährt und trotzdem erreichbar sein will, sollte deshalb lieber überlegen, ein älteres Modell mitzunehmen. Ansonsten kann das modernde Smartphone während der Badeausflüge auch im Hotelsafe bleiben oder in der Strandtasche zumindest wasser- und staubdicht in einen Gefrierbeutel mit Zip-Verschluss verpackt werden.

Rechtsschutz

Wer bei juristischen Streitigkeiten rund um den Urlaub abgesichert sein möchte, sollte sich ins Kleingedruckte vertiefen. "Moderne Rechtsschutz-Policen übernehmen Reise-Streitigkeiten auch, wenn es gegen ausländische Anbieter mit Gerichtsstand außerhalb Deutschlands geht. Bei älteren Policen kann es hier dagegen Probleme geben", sagt Archangeli.

Allerdings geht es im Ernstfall oft auch ohne Assekuranz. "Bei Streitigkeiten ist entscheidend, immer alles gleich vor Ort zu dokumentieren und zu beanstanden", sagt Becker-Eiselen. "Dafür braucht man aber keine Rechtsschutz-Police. Deshalb würde ich von einem Vertrag extra für den Urlaub abraten."

Einbruch

Einbrecher müssen Reisende mit Hausratversicherung - zumindest aus finanzieller Sicht - nicht fürchten. Das gilt sowohl für den Urlaubsort als auch für die Wohnung daheim. "Wenn während des Urlaubs eingebrochen wird, deckt die Hausratversicherung den Schaden ab", sagt Archangeli. Wichtig sei aber, dass tatsächlich eine Tür oder ein Fenster aufgebrochen wurde. Hat dagegen das Zimmermädchen lange Finger, springt die Assekuranz nicht ein.

Außerdem darf die Reise je nach Police nicht länger als 42 bis 90 Tage am Stück dauern, damit der Schutz fürs Heim greift. Denn der gilt nur für dauerhaft bewohnte Häuser. Wer länger unterwegs sein möchte, etwa weil er im Süden überwintert oder eine ausgedehnte Weltreise plant, sollte sich vorher mit seinem Versicherer in Verbindung setzen.

Und auch von außen muss das Heim für den Urlaub nicht extra abgesichert werden. "Schäden am Haus, etwa durch einen Sturm während der Abwesenheit, sind durch die Gebäude- oder die Hausrat-Versicherung abgedeckt", sagt Archangeli. Zusätzliche Angebote braucht es hier nicht.

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Quelle:
SZ vom 12.07.2014/mike
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