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Oppenheim-Verkauf:Erst der ganze Braten, dann die Häppchen

Die Deutsche Bank steht kurz vor dem Mehrheitserwerb von Sal. Oppenheim. Die Filetstücke wird sie behalten, den Rest weiterreichen.

Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim sind sich über den Verkauf der Privatbank an das größte deutsche Geldhaus Kreisen zufolge grundsätzlich einig.

Die Tage der Unabhängigkeit sind für die Privatbank Sal. Oppenheim gezählt.

(Foto: Foto: ddp)

Die Alteigentümer von Sal. Oppenheim sollen demnach mit knapp 25 Prozent nur noch am Kern der Traditionsbank - dem in Köln angesiedelten Geschäft mit vermögenden Kunden - beteiligt bleiben, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen aus der Branche sagten.

Die erst vor wenigen Jahren aus Steuergründen gegründete Holding in Luxemburg, an der unter anderem die Frankfurter BHF-Bank hängt, werde dagegen zu 100 Prozent an die Deutsche Bank fallen.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll der Übernahme von Sal. Oppenheim zustimmen, wenn er sich am Mittwoch zur Beratung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal trifft. Zuletzt ging es den Kreisen zufolge nur noch um Einzelheiten wie die Besetzung der Führungspositionen. Deutsche Bank und Sal. Oppenheim wollten sich nicht äußern.

Kaufpreis bei einer Milliarde Euro

Der Kaufpreis für die Beteiligung an der Vermögensverwaltung werde wie erwartet bei rund einer Milliarde Euro liegen, hieß es in den Kreisen weiter.

Wenn sich die Risiken der zuletzt defizitären Privatbank im Nachhinein als geringer herausstellen sollten als gedacht, könnten die Eigentümerfamilien noch einen Nachschlag erhalten.

Das Investmentbanking von Sal. Oppenheim soll verkauft werden. Darüber laufen schon Verhandlungen mit der australischen Macquarie Bank, nachdem der ursprünglich favorisierte Bieter Mediobanca abgesprungen war. Die Verhandlungen dürften aber nicht bis zum Mittwoch abgeschlossen sein.

Unklar ist noch die Zukunft der Private-Equity-Sparte SoPeP, die kein Teil der Bank ist, sondern den Familien selbst gehört.

An der BHF-Bank, deren Verkauf Sal. Oppenheim vor einigen Monaten wieder abgeblasen hatte, zeigt die liechtensteinische LGT Bank Interesse. Deutschland-Chef Roland Schubert sagte dem Handelsblatt, man halte die Augen nach Übernahmeobjekten in Deutschland offen. "Wenn zum Beispiel eine Bank wie die BHF Bank wieder auf den Markt kommen sollte, werden wir uns auch das anschauen", zitierte ihn die Zeitung.

Verlust im Jahr 2008

Den Verlust der Unabhängigkeit hat die 220 Jahre alte Kölner Privatbank den Verlusten in ihrer Investmentbanking-Sparte und einem Großkredit an den mittlerweile insolventen Handelskonzern Arcandor zuzuschreiben.

Die Eigentümerfamilien hatten im Frühjahr bereits 200 Millionen Euro frisches Kapital nachgeschossen, nachdem die Bank 2008 erstmals in der Nachkriegszeit Verluste geschrieben hatte.

Einem weiteren Kapitalbedarf konnten sie Finanzkreisen zufolge nicht mehr nachkommen, weil einige Gesellschafter persönlich für einen 300 Millionen Euro schweren Kredit der Bank an die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebürgt hatten.

Die Deutsche Bank musste im August eine Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro bei Sal. Oppenheim finanzieren. Im Laufe der Verhandlungen und der langwierigen Buchprüfung zeichnete sich schnell ab, dass die Deutsche Bank die Mehrheit übernehmen würde.

Deutschlands größte Bank hat es vor allem auf den illustren Kundenkreis abgesehen, zu dem einige der reichsten Familien Deutschlands gehören. Sal. Oppenheim verwaltet rund 132 Milliarden Euro an Vermögen. Die verbleibende Beteiligung der Altaktionäre soll für Kontinuität sorgen.

© sueddeutsche.de/Reuters/pak/tob

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