Öl- und Gaskonzern Total Ärger kurz nach Amtsantritt

Christophe de Margerie, der schillernde Chef des größten französischen Industrieunternehmens, steht vor Gericht. Ihm wird Korruption im großen Stil vorgeworfen.

Von Johannes Willms

Christophe de Margerie, der erst Mitte Februar 2007 zum Chef des in Frankreich beheimateten Öl- und Gaskonzerns Total aufstieg, ist eine schillernde, ungewöhnlich redselige und zu sympathischer Selbstironie neigende Erscheinung. Er trägt einen buschigen Schnauzbart, was in Frankreich bei Männern in seiner Position ungewöhnlich ist, und entstammt der Champagner-Dynastie Taittinger. Dass die Herkunft eine große Portion Selbstbewusstsein verschafft, darf man vermuten.

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Der war es wohl auch zuzuschreiben, dass de Margerie nicht im Familienunternehmen blieb, sondern ins weitaus lukrativere Ölgeschäft wechselte. Seit 1974 arbeitet er bei Total, dem weltweit fünftgrößten Ölmulti, der in mehr als 130 Ländern etwa 95000 Beschäftigte hat. Dass der Chef des mit Abstand größten französischen Industrieunternehmens keine der Elitehochschulen, sondern eine vergleichsweise obskure Handelsschule besuchte, hat ihm bisher so wenig geschadet wie der früh erworbene Ruf der Zwielichtigkeit.

Am Mittwoch jedoch ist Christophe de Margerie zusammen mit zwei weiteren führenden Managern von Total von dem für Finanzdelikte zuständigen und wegen seiner Genauigkeit gefürchteten Pariser Untersuchungsrichter Philippe Courroye zur Vernehmung vorgeladen worden. Offenbar wird ihm, dem Finanzdirektor Robert Castaigne und dem für das Gasgeschäft zuständigen Philippe Boisseau Korruption zur Last gelegt.

Bestechungsgelder in Millionenhöhe

Das Verfahren ist seit Dezember 2006 anhängig. Total wird verdächtigt, 1997 im Zusammenhang mit der Ausbeutung eines iranischen Erdgasfeldes Bestechungsgelder von umgerechnet 26 Millionen Euro gezahlt zu haben. De Margerie leitete zur fraglichen Zeit das Nahost-Geschäft und gehörte von Anfang an zu den Verdächtigen - also auch schon im Februar 2007, als er Chef bei Total wurde.

Nach einem Bericht der Zeitung L'Est Républicain wird gegen den Total-Chef auch wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit einem Erdölgeschäft im afrikanischen Kamerun ermittelt. Ein Vorermittlungsverfahren wurde am 8. Januar auf Initiative der Anti-Korruptionsabteilung Tracfin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium eingeleitet. Außerdem soll de Margerie in schon länger bekannte zwielichtige Geschäfte mit dem Irak verwickelt sein.

Total steht ohnehin im Zusammenhang mit dem am 17. Dezember 1999 im Sturm gesunkenen Öltanker Erika in den Schlagzeilen, seit am 12. Februar der Prozess eröffnet wurde. Damals wurden rund 400 Kilometer Küste mit zähem Ölschlick verschmutzt.

Angesichts der jüngsten Vorwürfe wird es de Margerie jetzt noch schwerer haben, das Ansehen des Total-Konzerns zu verbessern. Eben das soll das Motiv gewesen sein, das für seine Berufung an die Spitze von Total den Ausschlag gegeben haben soll.