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Öko-Branche:Neues Siegel für Textilien

Der verheerende Fabrikbrand in Bangladesch mit mehr als hundert Opfern hat die Branche aufgerüttelt: Jetzt will der Erzeugerverband Bioland ein neues Textil-Siegel einführen. Sieben Prinzipien sollen dafür sorgen, dass die Kleidung ökologisch und sozial korrekt produziert wird.

Von Stefan Mayr

Der Erzeugerverband Bioland legt ein neues Textil-Siegel auf, das nach eigenen Angaben strenger ist als alle anderen Biosiegel für die Bekleidungsbranche (PDF). Damit reagiert der Verband auch auf die Diskussion um soziale und ökologische Standards in der Textilindustrie. Im November starben bei einem Fabrikbrand in Bangladesch mehr als 100 Näherinnen, und Bioland-Präsident Jan Plagge sagt: "In der Biowelt fehlt ein vernünftiger Standard für ökosoziale Textilien." Die bislang existierenden Siegel hätten "relativ schwammige Kriterien" und regelten "ganz wenige konkrete Dinge", diese Lücke will er nun schließen.

"Wir richten uns an jene Menschen, die Kleidung mit dem maximalen Ökostandard kaufen wollen", sagt Plagge, der auch Vorstand des Dachverbands der deutschen Bioverbände (BÖLW) ist. "Ich glaube, unser Siegel wird in der Branche ziemlich einschlagen und hoffentlich auch einiges bewegen."

Bislang war Bioland ausschließlich auf dem Lebensmittelsektor tätig. Die etwa 5500 angeschlossenen Betriebe und 1000 Vertriebspartner verpflichten sich, nach den "sieben Prinzipien für die Landwirtschaft der Zukunft" zu arbeiten. Diese Richtlinien gelten als die konsequentesten - neben jenen von Demeter. Nun will Jan Plagge seinen ganzheitlichen Ansatz auch in der BekleidungsiIndustrie einführen. In den vergangenen neun Monaten hat Bioland zusammen mit der Augsburger Öko-Unternehmerin Sina Trinkwalder einen Richtlinienkatalog für Produktion und Vertrieb entwickelt.

Hersteller, die ihre Produkte mit dem Logo "Empfohlen von Bioland" verkaufen wollen, müssen sich nach den "sieben Prinzipien zur Ökotextilwirtschaft der Zukunft" richten. Diese schreiben vor, dass die Kleider ausschließlich aus Naturmaterialien und, "soweit verfügbar", aus regionalen Erzeugnissen bestehen - also nicht aus Import-Baumwolle oder -Seide. Zu den Prinzipien gehört auch eine "faire und soziale" Zusammenarbeit mit Personal und Geschäftspartnern. Tierische Produkte müssen aus regionalen Betrieben mit artgerechter Haltung stammen.

© SZ vom 13.02.2013/infu
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