"Occupy"-Proteste in Frankfurt "Diese Bank ist besetzt" - steht auf einer Parkbank

Es ist phänomenal, wie uns die Bevölkerung unterstützt", sagt Mathias, 34, der in der Feldküche arbeitet. Spüle und Ofen hat einer der Teilnehmer mit dem Leiterwagen in der S-Bahn aus der Nähe von Darmstadt hergebracht. "Wir mussten heute früh nur ein paar Liter Milch kaufen, alles andere sind Spenden", sagt Mathias. Das Frühstücksbuffet sieht aus wie in einem besseren Hotel, nur das Geschirr ist nicht so edel. Es gibt Bienenstich, Müsli, Käse, Wurst, geschnittenes Obst, Brot und frische Brezeln.

Im Hintergrund hängen Wäscheleinen, die von Laterne zu Laterne gespannt sind. Darauf haben die Camper mit bunten Wäscheklammern Zeitungsartikel über ihren Protest gehängt und selbst beschriebene Zettel. "Mitgefühl statt Gier" heißt es auf einem - "wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet" auf einem anderen.

"Diese Bank ist besetzt", steht auf einer Parkbank, auf der Stefan, 42, sitzt. Er muss aufpassen, dass ihn keine Fernsehkamera filmt, weil eigentlich ist er inkognito hier. Er arbeitet bei einem großen amerikanischen Konzern in Frankfurt, normal trägt auch er Anzug und Krawatte. Seit Samstag campiert er hier, das signalisiert auch die Länge seiner Bartstoppeln. Er trägt feste Arbeitsschuhe, Kapuzenpulli und Cordjacke. "Meine Arbeitskollegen müssen nicht unbedingt wissen, dass ich hier bin", sagt er, "da wird man belächelt." Aber es sei ihm wichtig, das Gefühl nach außen zu tragen, dass es so nicht weitergehen könne. Er will nicht gleich den ganzen Kapitalismus abschaffen, "manche Forderungen hier sind mir zu radikal und zu diffus", aber die Auswüchse, die müssten gestoppt werden.

Ein junger Mann im Anzug fotografiert belustigt ein gemaltes Bild mit den Bankentürmen, auf dem "Fuck capitalism" steht. Der Wind hat ihm die lilafarbene Krawatte über die Schulter geweht. Er heißt Pieter van Doorn und spricht Englisch mit holländischem Akzent. Er ist Berater und arbeitet für einige Monate in einem Risk-Management-Projekt bei einer Bank, bei welcher kann er nicht sagen. "Ich weiß nicht genau, gegen was sie demonstrieren", sagt er. Es gehe gegen die Banken, wird er aufgeklärt. "Das verstehe ich nicht, schließlich braucht doch jeder eine Bank, jeder hat ein Konto", meint er. Es gehe eher gegen die zockenden Banken. "Da sind sie vielleicht etwas spät dran", sagt er.

Um halb eins machen sich einige der Aktivisten auf zur Taunusstraße. Sie stellen sich auf den Gehsteig mit einer Holztafel, auf der steht: "Herzliche Einladung zum Mittagstisch". Eine junge Frau mit Umhängetasche, in roten Pluderhosen und wollenen Gamaschen spricht vorbeigehende Banker in ihren Anzügen an und lädt sie zum Dialog ein. Die meisten lächeln höflich, schütteln den Kopf und gehen weiter. Nur einer bleibt kurz stehen und sagt: "Vielen Dank, ich hab' schon gegessen."