Noten für Bankberater "Dringend von dieser Bank abraten"

Sparer benoten via Internet ihre Geldverwalter, davon profitieren alle Anleger. Die Folge: Kunden schauen genauer hin - und schwarzen Schafen wird das Leben schwergemacht.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Doch, ein kleiner Ruck ist es schon, der durch viele Sparer hierzulande gegangen ist. Analphabetismus in Finanzfragen gepaart mit naiver Leichtgläubigkeit wird Anlegern ja häufig attestiert, doch glaubt man Mustafa Behan, dann hat sich das gewandelt: Die Sparer seien wehrhafter, weil selbstbewusster geworden. Das Internetportal Whofinance belegt diese Vermutung. "Dort gibt es mittlerweile 11.000 Bewertungen zu rund 3000 Finanzberatern", sagt Behan, Geschäftsführer von Whofinance.

"Wer es nicht schafft, wird fertig gemacht"

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Die Firma ging 2007 an den Markt. Sparer informieren sich dort über die Güte ihres Beraters, sie geben ihm Noten, damit andere von ihrer Erfahrung profitieren. Und sie suchen sich ihren passenden Kandidaten aus. Soviel Eigeninitiative ist ein gutes Zeichen: Zumindest diese Leute gehen nicht mehr in die nächstgelegene Bankfiliale. Sie informieren sich selbst, das ist der erste Schritt in Richtung finanzieller Emanzipation.

In Deutschland gibt es rund 600.000 Finanzberater. 99 Prozent von ihnen arbeiten auf Provisionsbasis. Sie verdienen am Verkauf der Finanzprodukte, nicht an der Beratung selbst. Honorarberater lassen sich hingegen für ihre Expertise bezahlen, dadurch ist zumindest formal ein Interessenkonflikt ausgeschlossen: Beim Provisionsmodell weiß der Kunde nie, ob der Berater das Produkt nur deshalb verkauft, weil er die Provision haben will oder ob es wirklich das passende Finanzprodukt für den Kunden ist. Auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mehrfach auf diesen Interessenkonflikt hingewiesen.

Der Honorarberatermarkt wächst, vor allem jüngere Menschen sind kritischer gegenüber Geschäftsbanken geworden. Sie wollen eine unabhängige Beratung. "Immerhin zwölf Prozent unserer Nutzer suchen ausdrücklich nach einem Honorarberater", sagt Behan. Allerdings gibt es für den Beruf des Honorarberaters noch keinen Bezeichnungsschutz. Jeder kann sich so nennen, manche kassieren doppelt ab: Honorar plus Provision.

"In diesem Jahr soll der Beruf noch gesetzlich definiert werden", sagt Ulf Niklas, Mitgründer und Sprecher der Bundesinitiative der Honorarberater. Der durchschnittliche Honorarberaterkunde ist laut Niklas zwischen 35 und 50 Jahre alt, viele der Kunden wollten sich eine Zweitmeinung zu ihrer Erstberatung einholen. Die Stundensätze für Honorarberatung liegen zwischen 100 und 150 Euro. Ältere Leute mit hohen Vermögen seien noch skeptisch. "Bis sich der Honorarberater durchsetzt, muss erst eine neue Generation nachwachsen", so Niklas, der sich für eine strenge Regulierung des Berufs stark macht. "Wichtig ist, dass die Mischform ausgeschlossen wird, entweder jemand lebt von der Provision oder er lebt vom Beratungshonorar", sagt Niklas. Ansonsten gebe es keinen Wettbewerb.

Eigenmarketing mit Whofinance

Die etablierte Vertriebsbranche spürt die neue Konkurrenz, das Lobbying hat begonnen. "Die letzte Studie eines Strukturvertriebs zu angeblichen Versorgungslücken durch Honorarberatung zeigt, dass durch Interpretation von wissenschaftlich zweifelhaften und selbst bezahlten Studien regelmäßig Angst erzeugt werden soll", sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds deutscher Honorarberater.

Auch bei Whofinance wird Eigenmarketing betrieben. "Manche Berater versuchen natürlich zu tricksen, indem sie ihre Freunde und Bekannten auffordern, gute Bewertungen abzugeben", sagt Behan, der zwölf Mitarbeiter hat. "Das filtern wir heraus, man kann das mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen, ob jemand schummelt." Das Geschäftsmodell von Whofinance: Wenn ein Kontakt zwischen Kunde und Berater zustande kommt, bezahlt der Berater eine Gebühr zwischen 30 Euro und 90 Euro.

Die Beurteilungen können kostenlos eingesehen werden. Es wird Klartext gesprochen, hier ein Beispiel: "Nach drei Terminen, bei denen alle durch die Bank verursachten Probleme besprochen wurden, war der Berater nicht mehr telefonisch zu erreichen und reagierte auch nicht auf E-Mails. Seine Zusagen hat er nicht eingehalten. Man kann jedem, der sein Geld anlegen möchte, nur dringend von dieser Bank abraten."

Bei solch vernichtender Kritik kontaktiert Whofinance den Berater mit der Bitte um Stellungnahme. Grundsätzlich wird die Plausibilität der Bewertungen überprüft. Auf Basis seiner Daten kann Behan mittlerweile auch ein Qualitätsranking ermitteln.