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Nordkorea: Devisen:Totalverlust nach dem Verbot

Radikales Durchgreifen in Nordkorea: Das Regime untersagt den Besitz und jegliche Verwendung von ausländischen Währungen - ab sofort.

Nordkoreas Volkssicherheitsagentur hat "den Besitz und jegliche Verwendung von ausländischen Währungen" verboten. Bargeld in Fremdwährung muss in nordkoreanische Won umgetauscht werden, zum offiziellen Kurs. Das gilt auch für soziale Institutionen und Ausländer. Firmen, die mit dem Ausland handeln, brauchen ab sofort eine Spezialbewilligung. Das Verbot soll am 1. Januar in Kraft getreten sein, andere Quellen nennen den 28. Dezember.

Dollarnoten, Reuters

In Nordkorea sind Fremdwährungen wie der Dollar ab sofort verboten.

(Foto: Foto: Reuters)

In einer Erklärung drohen die Sicherheitsbehörden, Verstöße gegen das Verbot würden streng bestraft. Nach der Währungsreform Ende November, bei der nur sehr begrenzte Beträge von alten in neue Won gewechselt werden konnten, und der Rest der privaten Ersparnisse der meisten Leute seinen Wert verlor, ist dies der zweite Schritt zur Abschöpfung jener Vermögen, die manche Nordkoreaner in den letzten Jahren geschaffen haben. Schon im Vorjahr wurden die freien Märkte stufenweise eingeschränkt.

Bisher waren ausländische Währungen in Nordkorea nicht verboten, vor allem der chinesische Yuan und der Euro, aber auch der Yen und der US-Dollar kursierten frei. Nur gegen den US-Dollar gab es schon einmal ein Verbot. Auf dem Schwarzen Markt konnte man die Devisen zu einem mehrfachen des offiziellen Kurses wechseln. Manche Läden und Restaurants akzeptierten ausschließlich harte Devisen. Insbesondere der chinesische Yuan ist beinahe zur Erstwährung innerhalb von Nordkorea geworden.

Verbot trifft Elite besonders hart

Weil viele Nordkoreaner dem Regime nicht trauen, hat besonders die städtische Elite in den vergangenen Jahren versucht, ihre Ersparnisse in Devisen zu horten. Das Verbot trifft sie deshalb hart. Dabei ist das Regime darauf angewiesen, wenigstens in den Städten einigermaßen akzeptiert zu werden.

Nach Angaben südkoreanischer Medien rechtfertigt das Regime die Währungsreform und das Devisen-Verbot als Schlag gegen kapitalistische Auswüchse; man wolle die stetig breiter werdende Kluft zwischen Arm und Reich schließen. In Wirklichkeit konfisziert es die Vermögen jener, die legal oder illegal zu etwas Wohlstand gekommen sind - und die winzigen Ersparnisse vieler kleiner Leute. Offenbar braucht das Regime dringend Devisen, zumal internationale Sanktionen den Waffenhandel behindern, die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Vor zwei Wochen wurde in Bangkok die Ladung eines Frachtflugzeugs beschlagnahmt, das 35 Tonnen Waffen aus Nordkorea an Bord hatte. Die in Georgien registrierte Illjuschin war in den Nahen Osten unterwegs.

Als treibende Kraft der Währungsreform und des Devisenverbots nennt der in Südkorea stationierte Sender "Open Radio" Kim Jong Un, den jüngsten Sohn des Führers Kim Jong Il. Der 27-Jährige soll zum Nachfolger Kims aufgebaut werden. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Young warnte, es sei schwierig abzuschätzen, welche Bedrohungen die Währungsreform für den Süden auslösen könnten, falls die Unzufriedenheit darüber das Regime erschüttere.

© SZ vom 04.01.2010/mel

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