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Niedriger Heizölpreis:Endlich auftanken

Heizöl-Lieferung

Die Heizöl-Tankwagen sind derzeit wieder vermehrt unterwegs: Viele Hausbesitzer wollen von den günstigen Preisen profitieren

(Foto: dpa)

Heizöl ist so günstig wie seit Monaten nicht mehr. Viele Hausbesitzer nutzen das, um ihre Speicher zu füllen. Zusätzlich Geld sparen kann, wer eine Sammelbestellung aufgibt oder seine veraltete Heizanlage durch ein neues Gerät ersetzt.

Dieser Rückgang hat selbst Rainer Wiek überrascht: "Heizöl ist um vier Euro günstiger als bei unserer letzten Preiserhebung", berichtet der Experte des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID). "Das ist schon drastisch." Einmal pro Woche analysiert der EID bundesweit die Heizölpreise. Bei 86,65 Euro lag die durchschnittliche Notierung für 100 Liter des Brennstoffs Ende vergangener Woche. Mittlerweile ist der Preis, den die Händler bei einer Abnahme von 3000 Litern berechnen, noch weiter gefallen. In einigen Regionen kostet Heizöl zum Teil unter 83 Euro. So günstig war der Energieträger seit Juni des vergangenen Jahres nicht mehr. Und auch davor lag der Preis lange über dieser Marke, berichtet Wiek: "Was wir jetzt sehen, ist schon eine deutliche Entspannung".

Das dürfte all jene freuen, die schon seit langem darauf warten, ihre Tanks wieder füllen zu können. Heizöl ist bereits seit geraumer Zeit vergleichsweise teuer. Ende 2011 kratzte die Notierung erstmals an der 90-Euro-Marke. Seitdem gab es nur selten Phasen, in denen der Brennstoff nennenswert günstiger zu bekommen war. "Die Kunden sind deshalb dazu übergegangen, vorsichtig nachzufüllen", sagt Tobias Bott vom Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmer. Im Gegensatz zu früher, heißt es auch beim EID, bestellten die Verbraucher eher kleinere Teilmengen, anstatt den Tank ganz voll zu füllen. "Das ist oft einfach eine Frage des Geldes", sagt Rainer Wiek. Eine komplette Tankfüllung kann sich mancher nicht mehr leisten.

Die Folge des neuen Tankverhaltens: Ist der Winter lang und kalt, wie es jetzt der Fall war, kann das Öl schon einmal knapp werden. "Einige Verbraucher haben sich verspekuliert", berichtet Markus Brunner vom Verband bayerischer Brennstoff- und Mineralölhändler (BBMV). "Wegen der langen Heizperiode ist ihnen der Brennstoff ausgegangen." Wer dann teuer nachkaufen musste, hatte Pech. Mittlerweile allerdings füllen viele Verbraucher die Tanks freiwillig auf - wegen des vergleichsweise niedrigen Preises. "Unsere Händler sind gut ausgelastet", berichtet Brunner.

Mehr Ersparnis durch neue Heizungsanlage

Dass Heizöl derzeit so günstig ist, liegt vor allem am gesunkenen Ölpreis. Seit Mitte Februar sind die Notierungen für die Nordseemarke Brent um rund zehn Prozent gesunken. "Hinzu kommt, dass die klassische Heizsaison zu Ende ist", sagt Energieexperte Wiek. Die sinkende Nachfrage drückt zusätzlich auf den Preis.

Ob der Zeitpunkt zum Kauf allerdings derzeit tatsächlich besonders günstig ist, oder ob es sich lohnt, weiter auf sinkende Preise zu spekulieren - bei dieser Frage halten sich die Experten zurück. "Man kann zumindest sagen, dass der Markt sehr ruhig ist", meint Verbandssprecher Bott. Mit anderen Worten: Wer mit dem Gedanken spielt, nachzutanken, muss sich keinen Stress machen. Die Gefahr, dass der Preis kurzfristig nach oben geht, scheint im Moment eher gering zu sein. Sicher ist das auf dem Ölmarkt jedoch nie: Eine Zunahme der Spannungen in Nordkorea etwa könnte die Preise für Rohöl wieder anheizen - und damit auch Heizöl verteuern.

Langfristig betrachtet, ist der April jedenfalls kein schlechter Zeitpunkt zum Tanken. Über die vergangenen zehn Jahre gesehen, lagen die Notierungen in diesem Monat eher unter dem jährlichen Durchschnittspreis. Innerhalb eines Jahres schwanken die Einkaufskosten um zehn bis 15 Euro je 100 Liter. Wer jetzt nachfüllt, sollte aber bedenken: Je weniger man tankt, desto teurer wird es. So zahlen Verbraucher, die nur 1000 anstatt 3000 Liter ordern, gut fünf Euro mehr je 100 Liter. Fachleute raten daher zur Sammelbestellung, bei der Nachbarn gemeinsam den Tanklaster anfordern und so je nach Abnahmemenge einige hundert Euro sparen.

Deutlich mehr Ersparnis als mit diesem Einkaufstrick verspricht ein anderer Weg, wie BBMV-Geschäftsführer Brunner erläutert. Nach Angaben seines Verbands liegt das Durchschnittsalter der Ölheizungen in Deutschland mittlerweile bei fast 20 Jahren. Mit dem Austausch einer Heizung dieses Alters durch ein neues, modernes Brennwertgerät lassen sich bis zu 20 Prozent an Heizkosten sparen. Bei einem Einfamilienhaus einer vierköpfigen Familie macht das immerhin insgesamt 450 Euro im Jahr aus.

© SZ vom 16.04.2013/kjan

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