Neues Portal des Internetriesen:Internetriese nutzt Quasimonopol

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Google verdient schon heute kräftig an den über das Netz abgeschlossenen Autoversicherungen. Versicherer und Vergleichsportale schalten Anzeigen in der Suchmaschine: Wer eine Google-Suche nach "Autoversicherung" oder "billige Autoversicherung" startet, sieht auf der Ergebnisseite oben drei gelb unterlegte Anzeigen.

Diese Positionen werden von Google laufend versteigert. In normalen Zeiten kostet ein Klick eines Nutzers auf eine Anzeige in der Topposition das inserierende Unternehmen fünf Euro bis sechs Euro, in Spitzenzeiten der Werbesaison sind es bis zu 15 Euro. Das gilt für den Klick - der nicht zum Abschluss führen muss. Google verlangte in den Gesprächen von den Versicherern zunächst 120 Euro pro Abschluss - ist inzwischen aber auch bei realistischen 70 Euro bis 80 Euro angelangt.

Der Internetriese nutzt sein Quasimonopol bei den Suchmaschinen. In Großbritannien erscheint als erste Antwort auf die Suche nach "car insurance" unter den Anzeigen ein "sponsored link" von Google. Dort geht es direkt zum konzerneigenen Preisvergleich, betrieben von der 2011 übernommenen beatthatquote.com.

In den USA macht das Suchportal das gleiche mit Reisen. Wer "flight New York San Francisco" auf einer US-Googleseite eingibt, erhält unter den Anzeigen der Airlines sofort die nächsten Verbindungen - geliefert vom Google-Internetreisebüro. Klickt ein Kunde darauf und bucht den Flug, fließt Provision an den Internetriesen.

"Wenn Google als Vergleichsportal kommt, wird das den Markt verengen", sagt Detlef Frank, Chef von HUK24. Mit 1,4 Millionen versicherten Fahrzeugen ist das der größte Onlineanbieter. "Ich erwarte, dass viele Kunden direkt bei Googles Portal hängen bleiben. Dann klicken weniger auf die Anzeigen, und die von Anzeigen abhängigen Vergleicher oder Direktversicherer müssen mehr zahlen, um an ihr Neugeschäft zu kommen."

Neben der angepeilten Erhöhung der Anzeigenpreise hat Google noch weitere Gründe, direkt in das Vergleichsgeschäft einzusteigen. Die bisherigen Portale geben immer mehr Geld für Fernsehwerbung aus, um sich als eigene Marke zu positionieren. Wenn der Kunde aber nicht mehr bei Google das Suchwort "Autoversicherung" eingibt und eine Anzeige anklickt, sondern direkt auf eines der heutigen Vergleichsportale geht, fließt kein Cent an den Suchmaschinenbetreiber.

Außerdem muss der Konzern mit dem Vormarsch der Smartphones und Tablet-Computer fertig werden. Denn dort funktioniert wegen der beschränkten Bildschirmgröße das Anzeigenmodell nur begrenzt. Deshalb sucht das Unternehmen nach neuen Einnahmequellen.

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