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Neues Deutsches Kino:Grenzen sprengen

Seit vielen Jahren hat sich die Reihe zu einem relevanten Programm innerhalb des Filmfests entwickelt. 18 Weltpremieren gibt es 2019, darunter filmische Hybride, mutige Improvisationen und ein 3D-Essay.

Von Bernhard Blöchl

Wo strebt es hin, das deutsche Kino, welche Geschichten werden wie von wem erzählt? Seit vielen Jahren hat sich die entsprechende Reihe zu einem relevanten Programm innerhalb des Filmfestprogramms entwickelt. Die mit insgesamt 70 000 Euro dotierten Förderpreise Neues Deutsches Kino sind Ehre und Karrieremotoren zugleich. 18 Weltpremieren gibt es 2019, wobei zunächst die künstlerische Parität auffällt: Jeweils neun Beiträge von Regisseurinnen und Regisseuren sind da zu finden, etwa Sabrina Sarabis mit den Shooting-Stars Louis Hofmann und Liv Lisa Fries stark besetztes Pianisten-Drama Prélude. Und, zum Auftakt, das Scheinehe-Drama Es gilt das gesprochene Wort von dem Studenten-Oscar-Gewinner Ilker Çatak.

Ein filmischer Hybrid ist All I Never Wanted von Leonie Stade und Annika Blendl. Die beiden HFF-Studentinnen lösen in ihrem Abschlussfilm die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion auf, werden selbst zu Protagonistinnen ihrer Mode-, Medien- und Kultur-Satire. Ein junges Model, das in Mailand ihr Glück versucht, eine TV-Schauspielerin, die Probleme mit dem Altern bekommt, und zwei Regisseurinnen, die daraus einen Film machen wollen - das sind die Fäden, die hier spielerisch verknüpft werden. Amüsant: Der Film beginnt am Roten Teppich des Filmfests München.

Ergebnisse mutiger Improvisation sind auch der überdrehte Liebesfilm Zu zweit allein von Sabine Koder, mit Tom Lass, und der erotisch aufgeladene Beziehungsreigen Rest In Greece von Florian Gottschick. Zu entdecken gibt es junge Gefühlswelten (Golden Twenties von Sophie Kluge) und ältere Gefühlswelten (Was gewesen wäre mit Christiane Paul, Lara mit Corinna Harfouch), ein dystopisches Deutschland (im Genre-Sprenger Mär von Katharina Mihm), rätselhafte Frauen (Stillstehen von Elisa Mishto) und Geschwisterzwist (Bruder Schwester Herz von Tom Sommerlatte).

Ein Spezialabend wertet die Reihe zusätzlich auf: Luzie Loose zeigt ihren 3D-Essay-Kurzfilm A New Normal, Jan Bonny knüpft daran mit seiner Kunst-Theater-Kompilation Jupp, watt hamwer jemaht? an. Beide haben den Anspruch, das Kino neu zu deuten. Im Anschluss an die einmalige Vorführung im Gloria Palast sprechen sie über ihre Visionen und die Zukunft des Films im Allgemeinen (29.6., 18 Uhr).

© SZ vom 27.06.2019
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