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Neues deutsches Fernsehen:Schöner scheitern

Filmfest München 2019

Szene aus dem Historien-Zweiteiler Der Club der singenden Metzger.

(Foto: Filmfest)

Beziehungs- und Familienkonflikte prägen das Programm ausgewählter TV-Produktionen aus Deutschland. Mit dabei sind neue Werke von Uli Edel und Rainer Kaufmann. Auffällig: die vielen Protagonistinnen in den Filmen.

Von Regisseurinnen inszeniert sind gerade mal sechs der 16 Beiträge, die in diesem Jahr in der Reihe "Neues Deutsches Fernsehen" ihre Weltpremiere haben, doch an Protagonistinnen ist das von Ulrike Frick kuratierte Programm auffällig reich: Gleich zwei Filme vertrauen auf die Schauspielkunst von Martina Gedeck, die in ihrer Rolle in Herzjagen (Buch und Regie: Elisabeth Scharang) an der Heilung ihres Herzleidens verzweifelt und in Und wer nimmt den Hund? (Buch: Martin Rauhaus, Regie: Rainer Kaufmann) nach der Trennung von ihrem langjährigen Ehemann aufblüht. Schwerer tut sich Steffi Kühnert in Meine Nachbarn mit dem dicken Hund (Buch: Kathi Liers, Regie: Ingo Rasper), deren Figur Susanne kurzerhand leugnet, verlassen worden zu sein. Das geht natürlich gründlich schief, Susanne verstrickt sich in ein Netz aus Lügen. Auch in Weil du mir gehörst (Buch: Katrin Bühlig, Regie: Alexander Dierbach) geht der Ärger nach der Trennung erst richtig los - mit dem Sorgerechtsstreit, in dem eine auf den ersten Blick liebevolle Mutter (Julia Koschitz) ihre Tochter dermaßen geschickt manipuliert, dass sie beginnt, den eigenen Vater (Felix Klare) abzulehnen.

Liebesbeziehungen (und deren Scheitern) sind ein bestimmendes Thema im diesjährigen Programm, das zugleich der Wettbewerb um den Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis ist, genau wie Familienkonstellationen und die Konflikte unter ihren Mitgliedern. Ein Beispiel dafür ist Nachts baden (Buch: Frank und Ariane Zeller, die auch Regie führte) mit Maria Furtwängler als Rockmusikerin, die mit ihrer aus der Art geschlagenen Tochter, BWL-Studentin, über Kreuz liegt. Wie Eltern mit einem schrecklichen Verbrechen ihrer eigenen Kinder umgehen, zeigt Totgeschwiegen (Buch: Gwendolyn Bellmann und Franziska Schlotterer, auch Regie). Der Ensemblefilm, besetzt etwa mit Claudia Michelsen, Laura Tonke und Godehard Giese, ist ähnlich harter Tobak wie Wir wären andere Menschen (Buch: Friedrich Ani und Ina Jung, Regie: Jan Bonny), in dem eine Ehefrau (Silke Bodenbender) sich 30 Jahre nach der Tat eingestehen muss, dass ihr Mann (Matthias Brandt) es doch nicht verwunden hat, dass seine Eltern und sein bester Freund vor seinen Augen erschossen wurden.

Das Filmfest macht Lust auf das kommende Fernsehjahr, ist aber nicht damit zu verwechseln, präsentiert es doch eine Auslese, frei von Gebrauchskrimis und Kitsch vor Urlaubskulisse. Auch historische Stoffe, in die sich das deutsche Fernsehen sonst so gern flüchtet, kommen hier nur wohldosiert vor - im Auswanderer-Event-Zweiteiler Der Club der singenden Metzger (Buch: Doris Dörrie und Ruth Stadler, Regie: Uli Edel) sowie dem Kriegsdrama Ein Dorf wehrt sich (Buch und Regie: Gabriela Zerhau). Keine Angst vor der Gegenwart - eine Botschaft, der sich gern noch mehr Fernsehredakteure anschließen dürfen.