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Neuer Honorarkonsul:Ein Waigel für Liechtenstein

Der Sohn des früheren Finanzministers soll das ramponierte Image des Anleger-Staates aufwerten. Christian Waigel will nun versuchen, "Verständnis für das kleine Land zu wecken".

Ob er vorher seinen Vater gefragt hat? "Nein", sagt Christian Waigel, "warum hätte ich? Es ist schließlich meine eigene Entscheidung." Außerdem sei der Vater politisch überhaupt nicht mehr aktiv. Also habe er ihm, dem früheren Bundesfinanzminister und Ex-CSU-Chef Theo Waigel, von der Nebentätigkeit erst erzählt, als die Sache mehr oder weniger entschieden war.

Fürstenburg in Vaduz: Christian Waigel wird neuer Honorarkonsul in Liechtenstein.

(Foto: Foto: AP)

Wenn das Auswärtige Amt in Berlin nicht noch ein Veto einlegt, wird Waigel Liechtensteins erster Honorarkonsul in Deutschland. Seine Jobbeschreibung formulierte die regierungsnahe Vaduzer Tageszeitung Vaterland so: Christian Waigel, 40, solle "das ramponierte Image Liechtensteins in Deutschland aufpolieren". Schließlich verfüge er "als Mitarbeiter in einer bekannten Münchner Kanzlei sowie als Sohn des früheren Bundesfinanzministers über die nötigen Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten".

"Verständnis für das kleine Land wecken"

Die Erwartungen sind also hoch in dem Fürstentum, das nicht erst seit der Steueraffäre um Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel ins internationale Gerede gekommen ist. Liechtenstein locke mit einem äußerst diskreten System privater Stiftungen Steuerhinterzieher aus der ganzen Welt an, sagen Kritiker. Waigel findet, dass dies eine undifferenzierte und einseitige Betrachtungsweise ist. "Man drischt hier oft pauschal auf ein kleines Land ein, weil das einfacher ist, als auf größere und mächtigere Finanzplätze loszugehen", sagt Waigel.

Ganz abgesehen davon, "dass es in erster Linie ein deutsches Problem ist, wenn deutsche Steuerflüchtlinge ihr Geld ins Ausland schaffen". Als Honorarkonsul in München will er "Liechtenstein besonders in Süddeutschland eine Stimme verschaffen und die Öffentlichkeit über das Fürstentum aufklären". Das heiße "hie und da mal einen Vortrag halten und versuchen, Verständnis für das kleine Land zu wecken."

Christian Waigel kennt sich gut aus in Liechtenstein. Seit Jahren sind er und einige Kollegen aus der Kanzlei GSK, der auch Vater Theo angehört, in und für das Fürstentum tätig - als juristische Berater, wenn es darum geht, wie Finanzrichtlinien der EU umgesetzt werden müssen. Christian Waigel, der seinem Vater äußerlich ähnelt, gilt als Experte des Bankenrechts und des internationalen Finanzrechts; darauf hat sich der gebürtige Schwabe nach dem Studium vorwiegend in Augsburg spezialisiert.

Gute Kontakte in die Fürstenfamilie

Dass er als Honorarkonsul und angesichts seines prominenten Vaters in die politischen Strudel zwischen Berlin und Vaduz gerät, fürchtet der Jurist nicht. Tagespolitik sei Sache von Stefan von und zu Liechtenstein, einem Sohn des Fürstenhauses, und Botschafter des Landes in Berlin.

Bislang wurde Liechtenstein im Ausland nicht von Honorarkonsulen vertreten. Ein entsprechendes Netz zu knüpfen, plante man allerdings schon länger. "Durch die Steueraffäre wurde dies sicher beschleunigt", sagt Christian Waigel. Unlängst wurden in den USA die ersten Honorarkonsuln berufen. In Deutschland soll es künftig drei geben.

Christian Waigel kam zu dem Ehrenamt nicht zuletzt dank enger persönlicher Kontakte in die fürstliche Familie von Vaduz hinein. Erbprinz Alois, der zugleich als Staatsoberhaupt amtiert, ist verheiratet mit der bayerischen Herzogin Sophie. Diese wiederum ist eine enge Freundin und Trauzeugin von Christian Waigels Schwester.