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Neue SEC-Chefin:Kein Stein bleibt auf dem anderen

Mary Schapiro, eine geborene New Yorkerin, schloss ihr Studium 1980 an der George-Washington-Universität mit einem Doktor der Jurisprudenz ab. Damals hatten gerade die Brüder Hunt in Texas versucht, den Silber-Markt zu manipulieren - ein Ereignis, das einen bleibenden Eindruck bei der jungen Anwältin hinterließ. 1988 berief sie Präsident Ronald Reagan als Kommissarin zur SEC, 1993 leitete sie die Kommission schon einmal kurz als Interimspräsidentin. Ein Jahr später machte Präsident Bill Clinton Schapiro zur Chefin der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die den Handel mit Finanz-Derivaten überwacht. Aus dieser Zeit gibt es eine hübsche Anekdote. Thomas Donovan, der Chef der Chicagoer Börse CBOT, meinte nach Schapiros Ernennung bissig, er fürchte sich nicht vor einem 1,60 Meter großen blonden Mädchen. Worauf sie antwortete: "Ich bin 1,65 Meter groß."

1996 trat Schapiro an die Spitze des Verbandes der amerikanischen Börsenhändler (NASD). Damals ermittelte die SEC gegen den Verband, weil er im Verdacht stand, Händlern geholfen zu haben, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreisen im Markt künstlich erweitert und so Anleger geschädigt zu haben.

Schapiro brachte Ordnung in die NASD und organisierte die Fusion des Verbandes mit der internen Marktaufsicht der New York Stock Exchange zur Finra, die sie bis heute leitet.

Mary Schapiro kennt das System also, sie ist aber auch notgedrungen Teil davon. Finra warnte ebenso wenig wie die SEC vor den Exzessen, die die gegenwärtige Krise ausgelöst haben. Einige Kritiker werfen Finra vor, viel zu nachsichtig gewesen zu sein. 2001 berief Shapiro Mark Madoff, den Sohn des Betrügers Bernard Madoff, in einen wichtigen Kontrollausschuss bei Finra. Zwar gilt Mark nach dem Stand der Ermittlungen nicht als Täter, sondern als Opfer seines Vaters, aber der Fall zeigt doch, mit welchen riskanten Entscheidungen sie es in der Vergangenheit zu tun hatte.

Als sicher gilt, dass die künftige Reguliererin ihre neue Behörde, die SEC, mit ihrer alten, der CFTC, fusionieren wird. Man müsse die Regulierung künftig nach Zielen und nicht nach den zu regulierenden Produkten ordnen, sagte sie im Oktober. Spannend wird die Frage, wie künftig die Aufgaben der neuen Behörde und der Notenbank Fed abgegrenzt werden. Möglicherweise muss sich Notenbank-Präsident Ben Bernanke bald mit dem blonden Mädchen herumschlagen.

© SZ vom 19.12.2008/mel
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