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Neuausrichtung der Banken:Mal richtig grün werden

Der Boom bei den Ökobanken inspiriert die Grünen: Sie wollen, dass sich die Finanzbranche insgesamt neu auf ethische und soziale Ziele ausrichtet. Die Kunden würden dies honorieren.

Die Grünen verlangen von der Bundesregierung eine grundlegende Neuausrichtung der Finanzmärkte. Demnach sollen sich Banken, Fonds und Versicherungen in Zukunft außer an Renditezielen auch an ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien orientieren.

Das gilt für die Kundenberatung ebenso wie für die Berichterstattung an die Anteilseigner. Einen entsprechenden Antrag will die Grünen-Fraktion so schnell wie möglich in den Bundestag einbringen.

Der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Gerhard Schick, sagte der Süddeutschen Zeitung, viele Bürger seien im Bemühen um mehr Nachhaltigkeit "viel weiter als die Regierung".

Das zeige etwa der Boom bei so genannten Ökobanken. Das Geschäftsvolumen dieser Institute sei 2009 im Durchschnitt um gut 30 Prozent gestiegen, die Kundenzahlen je Bank hätten sich um mehr als 10.000 erhöht. Die Gruppe der Menschen, die auch bei der Geldanlage ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigen wollten, sei aber vermutlich noch viel größer, wie ein Blick ins Ausland zeige: So liege der Marktanteil nachhaltiger Finanzprodukte in Deutschland derzeit bei unter einem Prozent, in Großbritannien hingegen bei 22,5 Prozent.

"Paar Solarzellen" reichen nicht

Schick betonte, das Bekenntnis vieler Banken und Versicherungen zur Nachhaltigkeit dürfe sich nicht darin erschöpfen, "dass man ein paar Solarzellen aufs Dach der Geschäftsstelle setzt oder einen Bericht verfasst". Soziale und ökologische Fragen müssten vielmehr "im Zentrum der Geschäftspolitik ankommen".

Dabei müssten die öffentlich-rechtlichen Institute, also Sparkassen und Landesbanken, sowie "alle vom Staat geretteten" Geldhäuser eine Vorreiterrolle übernehmen. Der Grünen-Politiker hob hervor, dass die Banken nicht aus Gutmenschentum, sondern aus eigenem Interesse umsteuern müssten. Nach der globalen Finanzkrise müssten die Institute Vertrauen zurückgewinnen und sich neue attraktive, nachhaltige und stabile Entwicklungsperspektiven erarbeiten.

Zu den konkreten Forderungen der Grünen zählt die nach einer transparenten Beratung der Kunden. Diese müssten im Gespräch mit dem Bankberater nicht nur schriftlich auf die ethische Dimension einer Kapitalanlage hingewiesen werden, sondern auch gefragt werden, welche Rolle sozial-ökologische und ethische Aspekte bei der Auswahl des Finanzprodukts spielen sollen. Nachhaltige Anlagen müssten zudem einheitlichen Mindestkriterien bei der Einhaltung internationaler Normen genügen.

Dazu zählt die Partei zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit. Zudem will sie bestimmte Investitionen, etwa in die Atomkraft oder die Rüstung, als nicht nachhaltig ausschließen. Banken, Versicherer und Investmentfonds sollen zudem einmal jährlich die direkten Treibhausgasemissionen aller im Portfolio befindlichen Aktien und Firmenanleihen im Verhältnis zum Portfoliowert ausweisen müssen.

Aus den Rückstellungen der Atomkraftbetreiber für Kraftwerksstilllegung und Entsorgung wollen die Grünen einen öffentlich kontrollierten Fonds bilden, dessen Vermögen nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien angelegt wird und der dadurch als Richtgröße für nachhaltige Investments dient. Alle börsennotierten Firmen sollen darüber hinaus verpflichtet werden, eine Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten ökologischen und sozialen Zielen zu erstellen und auf der Hauptversammlung über den Stand der Entwicklung zu berichten.

© SZ vom 25.02.2010/hgn

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