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Nachhaltige Investments:Das Geschäft mit dem guten Gewissen boomt

Über eine Billion Euro bringen europäische Geldanleger auf, um nicht nur eine Rendite zu kassieren, sondern gleichzeitig auch das Gefühl zu haben, Gutes zu tun.

Friederike von Redwitz

"Making a difference and making money." Das ist da Motto von Amy Domini, Gründerin des Domini 400 Social Index - einem Aktienindex, der nachhaltige Kriterien berücksichtigt. Es zählt hier also nicht nur der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens, sondern auch sein soziales und ökologisches Engagement.

Als Amy Domini den Index 1990 aus der Taufe hob, war er weltweit der erste derartige Aktienindex - heute gibt es alleine in Deutschland 100 zugelassene nachhaltige Fonds. "Die Marktentwicklung im Bereich nachhaltige Investments hat in den letzten Jahren alle Erwartungen übertroffen", sagt Volker Weber von der Investmentgesellschaft Swisscanto, die sich als erfolgreichster Anbieter von Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland sieht.

Über eine Billion Investitionssumme

Eine Studie von Eurosif, dem europäische Dachverband für nachhaltige Investments mit Sitz in Paris, beschäftigte sich mit der aktuellen Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen in neun europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Schweiz und Spanien). Das Ergebnis: In den untersuchten Ländern wurde bis Ende 2005 über eine Billion Euro in solche Geldanlagen investiert.

Damit machen Investitionen, die neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen immerhin 10 bis 15 Prozent aller europäischen Fonds und Mandate aus. In den letzen 3 Jahren hat sich die Summe des Anlagekapitals für derartige Investitionen um mehr als 36 Prozent erhöht - Eurosif erwartet zudem, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzt.

Allein deutsche Investoren brachten rund 6 Milliarden für nachhaltige Geldanlagen auf, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen aus Berlin ermittelte. Das ist zwar im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich, dafür sind hier die Wachstumsraten besonders hoch.

"Am beliebtesten sind Aktienfonds", meint Cornelia Dereje, Sprecherin des Fachverbandes. Aber auch Direktbeteiligungen, zum Beispiel an Windparks, sind sehr beliebt. "Eine andere Möglichkeit sind Spareinlagen bei einer Umweltbank, die mit Hilfe dieser Gelder Kredite für bestimmte Projekte mit nachhaltigen Zielen vergibt."

Gründe für das Wachstum von derartigen Investitionen sind einerseits die zunehmende Akzeptanz in der Finanzwelt sowie gesetzliche Vorgaben für mehr Transparenz und für die Einbeziehung von Nachhaltigkeit in Unternehmen und in den Finanzsektor.

Auch Aktionäre zeigen ein immer größeres Interesse an nachhaltigen Investitionen, zudem werden Nachhaltigkeitsaspekte immer häufiger in Finanzanalysen integriert. "Das alles hängt eng mit den steigenden Energiekosten zusammen", sagt Dereje.

Wichtigste Anleger sind Kirchen und Stiftungen

Die wichtigsten Anleger für nachhaltige Investitionen in Europa sind dabei weiterhin Einrichtungen wie Kirchen und Stiftungen. Manchmal legen zudem Pensionsfonds Geld unter Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte an, ebenso Versicherungen. "Die haben ja das Problem, dass sie die Auswirkungen des Klimawandels direkt mitbekommen.", meint Dereje.

Im institutionellen Bereich ist das Kundenpotential allerdings bereits ziemlich ausgeschöpft - in Zukunft wird das Wachstum nachhaltiger Investments darum wohl in der Hand der Privatanleger liegen.

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