Nachhaltige Architektur:yyy

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Naiv, wenn auch notwendigerweise, ist dieses Manifest aber dennoch. Schließlich entscheiden Architekten und Ingenieure immer weniger darüber, was letztlich gebaut wird. Es sind die Bauherren, die darüber befinden. Wenn die Architekten in ihrem Manifest nun schreiben, dass sie in Zukunft "vorwiegend regionale Materialien verwenden" wollen, um "Transport und Import zu vermeiden", dann möchte man sagen: Glänzende Idee - aber warum wird ein Landratsamt im fränkischen Jura nicht mit Naturstein aus dem Altmühltal, sondern mit den Produkten aus chinesischen oder brasilianischen Steinbrüchen bestückt? Weil es billiger ist - und der Transport bei den Kosten unangemessener Weise kaum ins Gewicht fällt.

Und wenn die Ingenieure nun ein "geschärftes Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung" fordern, dann auch deshalb, um "Deutschland zum Vorreiter klimagerechter Architektur" zu machen. Hier möchte man rufen: Das ist dieses Land schon lange, auf der ganzen Welt wird das Know-how deutscher Architekten und Ingenieure deshalb nachgefragt - aber deutsche Provinzbürgermeister und Manager legen dennoch sehr viel mehr Wert auf die genialischen, selten nachhaltigen Entwürfe irgendwelcher internationaler Star-Architekten.

Häuser und Städte zum Lieben und Achten

Trotzdem ist es richtig, dass sich Architekten und Ingenieure nun nach Jahren erbitterter Feindschaft endlich einmal im Zeichen einer großen Geste zusammengefunden haben. Gut auch, dass die Verbände die hinter der Initiative stehen, ihre rituellen Feindseligkeiten vor diesem Hintergrund begraben haben. Gut schließlich, dass die chronisch unterschätzten Stadt- und Freiraumplaner mitmachen. In einem "urbanistischen Millennium" (UN), da Städte 75 Prozent der Kohlendioxidbelastung verursachen, wird der Kampf um die Zukunft auf ihrem Terrain entschieden.

Jetzt müssen die Planer den Bundesbauminister am Freitag nur noch davon überzeugen, dass energieeffiziente Häuser keineswegs solche sind, denen man Mützen aufsetzt. Zuletzt ließ sich Tiefensee nur zu gern vor entsprechenden Plakaten fotografieren, die das Ergebnis einer CO2-Kampagne waren. Alte Häuser, dick angezogen und vermummt: Das ist das Gegenteil energieeffizienter Architektur und Ingenieursbaukunst, die sehr viel ganzheitlicher zu begreifen wäre.

Wobei auch die Architekten und Ingenieure etwas zu begreifen haben: Nur Häuser und Städte, die geliebt und geachtet werden, sind auf Dauer auch abseits ihrer Wärmedurchgangswerte oder ihrer neuen Erdsonden und Solardächer nachhaltig. Es wäre an der Zeit, welche zu bauen.

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