Nach Lehman-Überweisung Peinliche Details zur KfW-Panne

Ein als "streng vertraulich" gekennzeichneter Untersuchungsbericht über das Lehman-Desaster zeigt: Die KfW ist ein Hort der Misswirtschaft.

Von Klaus Ott

Viel Hohn und Spott hat das staatseigene Kreditinstitut KfW zuletzt über sich ergehen lassen müssen. Über "Deutschlands dümmste Bank" wurde öffentlich gelästert, nachdem das Geldhaus der US-Investmentbank Lehman Brothers kurz vor deren Pleite im Rahmen eines Devisengeschäfts noch schnell 319 Millionen Euro überwiesen hatte.

Eine Filiale KfW in Berlin: Das staatliche Institut steht unter Druck.

(Foto: Foto: dpa)

Der größte Teil davon ist höchstwahrscheinlich verloren. Zwei KfW-Vorstände wurden deshalb gefeuert, doch damit ist es bestimmt nicht getan. Die Staatsbank ist offenbar katastrophal organisiert.

Diesen Eindruck vermittelt ein als "streng vertraulich" gekennzeichneter Untersuchungsbericht über das Lehman-Desaster, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

"Deutschlands dümmste Bank"

Auf 28 Seiten hat die Wirtschaftsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) bis ins kleinste Detail notiert, wie es zu der Panne kommen konnte, und zahlreiche Mängel gerügt. Der Bericht wurde nach Angaben der KfW für den Verwaltungsrat angefertigt, der die Staatsbank beaufsichtigt und dem viele Minister aus Bund und Ländern angehören. Geleitet wird das aus 37 Mitgliedern bestehende Kontrollgremium von den Bundesministern für Wirtschaft sowie Finanzen, Michael Glos (CSU) und Peer Steinbrück (SPD). Die KfW äußerte sich nicht zu dem Prüfbericht.

Der Vorwurf, "Deutschlands dümmste Bank" zu sein, könnte sich angesichts bizarr anmutender Details noch als untertrieben erweisen. Fehler auf Fehler sind in dem PwC-Report aufgelistet. Ihr Ende erreichte die Pannenserie am 15. September, einem Montag, als die KfW frühmorgens die 319 Millionen Euro in die USA transferierte. Am Wochenende hatte sich die Pleite von Lehmann bereits abgezeichnet, aber bei der KfW kümmerte das offenbar niemanden. Um 8.37 Uhr ging laut PwC die Zahlungsanweisung an die Bundesbank heraus, über die der Transfer erfolgte.

Laut PwC-Bericht stoppte die Bundesbank die Aktion zunächst. Die Auszahlungsanweisung sei um 8.44 Uhr wegen "mangelnder Deckung auf dem betreffenden KfW-Konto bei der Bundesbank" von dieser zurückgewiesen worden, steht im Prüfreport. Daraufhin habe die KfW dafür gesorgt, dass auf ihrem Konto bei der Bundesbank genügend Geld vorhanden gewesen sei. Danach sei die Auszahlung an Lehmann um 8.53 Uhr erfolgt, heißt es im Bericht.

Die KfW hat also am 15. September frühmorgens ihr betreffendes Konto bei der Bundesbank aufgefüllt, um die 319 Millionen Euro überweisen zu können. Wenige Stunden später war Lehman Brothers insolvent. Ein KfW-Sprecher sagte dazu, in solchen Fällen werde das betreffende Konto "automatisch aufgefüllt". Eine "inhaltliche Prüfung" finde bei der Vielzahl der Überweisungen nicht mehr statt.

In den Tagen vor dem Millionen-Transfer in die USA war in der KfW intern über die kritische Lage bei Lehman diskutiert worden. Am 11. September wurde, so steht es im PwC-Report, bei der KfW in einem Protokoll notiert, Lehman brauche kurzfristig "weitere Liquidität und zusätzliches Eigenkapital". Das sei von "existentieller Bedeutung" für die US-Bank. Einen Tag später, am 12. September, berieten fünf KfW-Spezialisten aus vier Abteilungen bei einer kurzfristig anberaumten Sitzung die "aktuelle kritische Risikolage bei Lehman". Konsequenzen hatte das offenbar.

Für das damals bevorstehende Wochenende hätten "besondere Maßnahmen" ergriffen werden müssen, rügen die PwC-Prüfer in ihrem Untersuchungsbericht. Dies hätte dann laut PwC höchstwahrscheinlich dazu geführt, dass bei der KfW spätestens am 14. September, einem Sonntag, die drohende Insolvenz von Lehman erkannt worden wäre. Das ist nur einer der vielen Kritikpunkte in dem Untersuchungsbericht. Dieser endet mit sieben Vorschlägen, wie sich die internen Abläufe und Kontrollen bei der KfW verbessern ließen. Darunter befindet sich der Hinweis, eine Überwachung bestimmter Geschäfte sollte auch "am Wochenende möglich sein".