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Mutmaßliche Anlagebetrüger S&K:Der Wahlkampf

Kumpfmühler Straße, eine neubarocke Villa aus dem 19. Jahrhundert, gleich daneben ein Park. Auch die Geschäftsräume von S&K-Anwalt Gero Kollmer können sich sehen lassen. Wer sich in seiner Heimatstadt Regensburg nach ihm erkundigt, bekommt wenig Gutes zu hören. Kollmer war Anwalt für Mietrecht, 2010 sattelte er auf Bank- und Kapitalmarktrecht um. Es kam die Zeit, in der er sich zu verändern begann, erinnern sich Bekannte. Immer öfter sei Kollmer in Frankfurt anzutreffen gewesen, immer seltener in seiner Kanzlei in Regensburg.

Im Regensburger Stadtrat, in dem Kollmer für die CSU-Abspalter Christlich-Soziale Bürger sitzt, taucht der 41-Jährige nur noch sporadisch auf. Es gibt bereits Überlegungen, seine Diäten zu kürzen. Kollmer, so sagen ehemalige Freunde, war in einer anderen Welt angekommen, der Welt des großen Geldes. In der Welt von S&K. Von seinen Kanzleipartnern trennte er sich Anfang 2012 "im Einvernehmen mit meinen Mitgesellschaftern", wie er sagt. Kollmer zog mit seinen Firmen ins abgetrennte Obergeschoss der Villa. Als Kollmer im Zuge der S&K-Razzia vorübergehend festgenommen wird, bekommt der Fall auch eine politische Dimension.

In Regensburg wird in zwölf Monaten ein neuer Oberbürgermeister gewählt, doch schon jetzt befindet sich der Wahlkampf in einer entscheidenden Phase. Denn Jürgen Linhart, der designierte OB-Kandidat der CSU, ist einer von Kollmers ehemaligen Partnern. Linhart ist Verwaltungsrechtler, seit der Großrazzia gegen S&K ist er aber vor allem: sein eigener Krisenmanager. Seine Kanzlei hat S&K in mehreren Fällen presserechtlich gegen den Online-Branchendienst Gomopa vertreten. Für zwei S&K-Partnerfirmen, an denen auch Kollmer beteiligt ist, fungiert sie außerdem als Treuhänder. Er sei "menschlich tief enttäuscht" von Kollmer, sagt Linhart. Ob er jetzt noch Oberbürgermeister werden will, lässt er offen.

Seit der Razzia kursieren anonyme Briefe über ihn. Linhart berichtet von falschen Verdächtigungen und "einem Niveau der Auseinandersetzung, das ich nicht gewillt bin mitzugehen". Das presserechtliche Mandat seiner Kanzlei endete bereits vor Wochen. Und als Treuhänder ist die Kanzlei zudem nicht den beiden S&K-Partnerfirmen verpflichtet, sondern den Anlegern. Sollte es hart auf hart kommen, würde die Kanzlei deren Interessen vertreten - dann auch indirekt gegen Kollmer. Am wichtigsten sei es, dass seine Mandanten ihm weiterhin vertrauten, sagt Linhart. Er bekomme viel Zuspruch, trotz mancher "Schockerlebnisse".

Als der Branchendienst Gomopa ihn nach der S&K-Razzia mit vollem Namen nannte und ein Foto von ihm mit schwarzem Balken veröffentlichte, habe er sich kriminalisiert gefühlt "wie an einem Pranger im Mittelalter". Linhart überlegte, wie er sich dagegen wehren könne. Dann stellte er fest, wie schwierig das sein kann.

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